Sport : Der unaufhaltsame Aufstieg des Lothar M.

Rekordnationalspieler Matthäus wird neuer Nationaltrainer in Ungarn – und Belgrad weint

Armin Lehmann

Georg Stanggassinger stand vor einem großen, hübsch geschmückten Weihnachtsbaum und freute sich. „Schön kuschlig ist es hier, heimelig, aber sehr gediegen.“ Sprach’s ins Handy und verschwand im noblen Hotel Kempinski, im Herzen Budapests gelegen. Es weihnachtete schon sehr, als der Berater von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus wenig später, gegen 12 Uhr mittags, zusah, wie sein Schützling vom ungarischen Fußball- Verband zum neuen Nationaltrainer gekürt wurde.

Am Tag zuvor hatte Matthäus sein letztes Spiel als Trainer bei Partizan Belgrad gewonnen, 1:0 im Lokalderby gegen Zeleznik. Danach hatte er der Mannschaft und dem Präsidium verkündet, dass er fortan größere Ziele zu erreichen gedenke. „Ein großes Geheule“, habe es da gegeben, wusste Stanggassinger zu berichten, „weil man in Belgrad schon weiß, was man an dem Lothar verliert“. In der Tat weinte die Belgrader Presse am Sonntag mehr, als sie schimpfte. Von Verrat war keine Rede. Da waren ein Team und sein Anhang ehrlich bestürzt über den schnellen Abgang eines beliebten Trainers.

Das hat Lothar Matthäus auch schon anders erlebt. Es ist deshalb erstaunlich, wie der bekannteste aller Franken in ungeahnter Geschwindigkeit die Wandlung vom gedemütigten Anfänger zum erfolgreichen Trainer vollziehen könnte. Und wie offenbar die Seriösmachung der Marke Matthäus, die sich Stanggassinger zum Ziel gesetzt hat, allmählich vorankommt.

Als Trainer hat er klein angefangen, der Weltmeister, Europameister, Deutsche Meister, Italienische Meister, der Mann mit dem jugendlichen Körper und dem Kindergesicht, dessen Oberschenkelmuskulatur erst wenige Jahre vor Beginn des 40.Lebensjahres bockte. Im Sommer 2001 holte ihn Rapid Wien nach Österreich. Und was ist passiert? Sie haben ihn rausgeschmissen, die alten Spieler haben ihn auch ganz schön gemobbt, der Andreas Herzog zum Beispiel. Wien war nicht gut für den neuen Lothar Matthäus, Wien hat ihn geschmäht.

Dann kam Belgrad, wo er im Februar dieses Jahres mit einem einfachen Satz zum Reporter der „Süddeutschen Zeitung“ seine Vergangenheit als Lautsprecher beerdigen wollte. „Ich habe zu viel geredet“, hat Matthäus gebeichtet. Und wenn man ihm auch nicht zutrauen mag, dass er das wirklich ändern kann, so wurde es doch viel stiller um Matthäus. Belgrad ist schließlich noch weiter weg als Wien. Lothar Matthäus ist dann Meister von Serbien und Montenegro geworden, hat die Mannschaft in die Champions League geführt und dem Verein mit 22 Millionen Euro „so viele Einnahmen verschafft wie nie“ (Stanggassinger).

In der Boulevardpresse wollen sie natürlich gar keinen seriösen Lothar Matthäus, das ist auch ein Problem. So hat die „Bild am Sonntag“ seinen Lesern den überraschenden Wechsel nach Ungarn exklusiv mit dem Satz erklärt, „Lothar hat es aus Liebe getan“. Weil doch seine neue Ehefrau, „die hübsche Serbin“ („Bildzeitung“), einen Modesalon in Budapest besitze. Aber der Boulevard kann auch nicht immer alles wissen, findet Stanggassinger, und klärt auf: „Private Gründe haben keine Rolle gespielt.“ Es ginge hier nur um die Herausforderung. Marijana, die neue Frau an Matthäus’ Seite, habe sogar ihre Kinder von der Budapester Schule abgemeldet, es sollte zurück nach Belgrad gehen. Aber die neue Liebe sollte das jetzt überstehen.

Auch daran, an der Liebe, arbeitet Matthäus. Weil er mit seiner dritten Hochzeit alle früheren Frauen-Geschichten hinter sich lassen will, die Silvia, die Lolita Morena, die Maren Müller-Wohlfarth, die Uli aus München oder auch das „Teppichluder“, hat er einer anderen Frau erlaubt, in sein neues Glück zu schauen: Patricia Riekel, Chefredakteurin der „Bunten“ und Moderatorin von „Bunte-TV“, durfte sehr gediegen zeigen, wo sich Lothar und Marijana das „Ja-Wort“ gegeben haben. Matthäus hat ausgeschaut wie 18 und offenbart, dass er am liebsten mit Marjiana „in der Toskana leben würde“. Aber das hat noch Zeit. Jetzt kann der Trainer Matthäus richtig bekannt werden. Wenn er sich mit Ungarn gegen Bulgarien, Kroatien, Schweden, Island und Malta für die WM 2006 qualifiziert, was würde man dann denken über einen, den alle nur als den Loddar belächeln?

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