Sport : Der Unermüdliche

Durch einen Fünfsatzsieg über Todd Martin zieht Rainer Schüttler in Wimbledon ins Achtelfinale ein

Benedikt Voigt

London/Berlin. Dass Tennis in Deutschland gegenwärtig einen schweren Stand hat, ließ sich gestern an der Programmplanung der ARD erkennen. Rainer Schüttler, bester Tennisspieler Deutschlands, trat gegen den US-Amerikaner Todd Martin an. Nicht irgendwo, sondern in Wimbledon, beim bedeutendsten Turnier der Welt. Was aber zeigte zunächst die ARD, die sich die Rechte für Wimbledon gesichert hat? Formel 1, Qualifikationstraining.

Wenigstens ab dem Ende des dritten Satzes durften auch Deutschlands Tennisfreunde via Fernsehen teilhaben an dem spannenden Duell der dritten Runde. Sie sahen einen 4:6, 7:5, 6:7, 6:1, 7:5 Erfolg von Rainer Schüttler. Zum ersten Mal in seiner Karriere zog der 27-Jährige ins Achtelfinale von Wimbledon ein. Er ist neben Alexander Popp, der heute spielt, der letzte Deutsche im Turnier. Der an Nummer neun gesetzte Schüttler hatte gegen den 32-jährigen Routinier jedoch erhebliche Schwierigkeiten, das Match für sich zu entscheiden. „Meine mentalen Übungen haben mir sehr geholfen, mich in schwierigen Situationen zu konzentrieren“, sagte Schüttler nach dem Match, das drei Stunden und 29 Minuten dauerte.

Schüttler arbeitet seit drei Jahren mit dem italienischen Mentalcoach Alberto Castelani zusammen. „Ich hatte die Schwäche, meine Chancen zu schlecht zu nutzen und mich dann zu sehr aufzuregen“, sagte Schüttler, „das ist jetzt viel besser geworden.“ Er hatte zwar gegen Todd Martin zu Beginn viele Chancen ausgelassen, doch diesmal blieb er davon unbeeindruckt. „Vielleicht hätte ich dieses Match vor einem Jahr noch verloren“, sagte Schüttler. Diesmal aber kämpfte er unermüdlich und steigerte sich am Schluss.

Im entscheidenden fünften Satz gewannen beide bis zum 4:4 ihre Aufschlagspiele, ehe Schüttler das erste Break gelang. Diesen Vorteil konnte er jedoch nicht nutzen, und Martin schaffte das Rebreak. Doch Rainer Schüttler ließ sich davon nicht entmutigen. Nach einem erneuten Break zum 6:5 verwandelte er seinen zweiten Matchball zu seinem bislang größten Erfolg in Wimbledon.

Er setzte den Aufwärtstrend fort, den er in diesem Jahr bei Grand-Slam-Turnieren begonnen hat. Bei den Australian Open verlor er erst im Finale gegen Andre Agassi, bei den French Open unterlag er im Achtelfinale dem Niederländer Martin Verkerk. Nun wartet am Montag in Sjeng Schalken ein weiterer Niederländer. Schalken gewann zuletzt das Rasenturnier in Den Bosch. „Das ist der mit Abstand schwierigste Gegner für Rainer Schüttler“, sagte Boris Becker, „gegen Schalken reicht die jetzige Leistung nicht aus.“ Spannend dürfte das Duell jedenfalls werden. Vielleicht überträgt die ARD sogar von Beginn an.

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