Sport : Der Unterhändler

Friedhard Teuffel

wünscht dem neuen palästinensischen Nationaltrainer Erfolg Einen neuen Präsidenten wählen die Palästinenser heute erst noch, einen anderen wichtigen Posten haben sie schon am Samstag besetzt. Arab Azmi Nasser ist neuer Fußball-Nationaltrainer, und er unterscheidet sich von den Führungspersönlichkeiten der palästinensischen Autonomiegebiete: Arab Azmi Nasser ist israelischer Staatsbürger.

Er hat nicht nur eine sportliche Aufgabe angenommen, er befindet sich gewissermaßen auch im diplomatischen Dienst. Nasser ist wie ein Unter-Unterhändler im Friedensprozess. Für seine Botschaftertätigkeit bringt er eine gute Qualifikation mit: Er ist ein Grenzgänger. In den Neunzigerjahren hatte Nasser bereits für die Palästinenser gearbeitet. Danach für Klubs im israelischen Fußball.

Als er mit einem Klub aus dem arabischen Teil Nazareths in die Spitzengruppe der israelischen Fußballliga vorstieß, sagte er: „Alle Politiker reden vom Frieden, aber ich habe sie alle übertroffen, Arafat und Scharon.“ Und weil sich über den Erfolg seiner Mannschaft so viele freuten, fügte er hinzu: „Schauen Sie sich das an: Christen, Muslime, Juden und Drusen umarmen und küssen sich. So sollte es in unserem Land sein.“

Die Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2006 haben die Palästinenser schon verpasst. Aber was wäre denn, wenn sich Nasser mit den Palästinensern für die nächste Asienmeisterschaft qualifizieren würde oder gar für eine Weltmeisterschaft? Würden sie ihn dann zum Palästinenser des Jahres wählen? Wenn der Friedensprozess große Fortschritte macht, dann könnte ihm sogar eine andere Ehre zuteil werden: erster Fußball-Nationaltrainer eines souveränen palästinensischen Staates.

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