Sport : Der Unvollendete

Handballprofi von Behren kämpft sich wieder heran

Erik Eggers[Halle/Westfalen]

Peking natürlich. „Wenn ich das nicht als Ziel hätte, könnte ich ja direkt aufhören“, sagt Frank von Behren. Der 31-jährige Handballprofi träumt noch von der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008, doch andererseits will er auch nicht zu weit in die Zukunft blicken. Zu oft sind die Träume schon zerstört worden. Zu oft hat er sich schwer verletzt, war zum Zuschauen verdammt. Deshalb will er seine Rückkehr ins Nationalteam auch nicht zu hoch hängen. „Ein Anfang war das, mehr nicht“, sagte von Behren nach seinem 159. Länderspiel, dem 41:30 am Freitagabend gegen Serbien. „Ich habe schon so oft Comebacks gefeiert, ich weiß gar nicht, wie viele“, sagt er nachdenklich.

Auch im gestrigen Halbfinale in Halle, als Weltmeister Deutschland vor 9100 Zuschauern die Revanche des WM-Finales gegen Polen mit 28:32 (11:14)-Toren verlor, erzielte von Behren ein Tor. Heute im Spiel um Platz drei trifft das Team von Heiner Brand auf Schweden oder Russland (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet).

Doch die sportlichen Ergebnisse geraten für von Behren zur Nebensache. Wichtig ist ihm nur eines: „Ich will endlich mal ein Jahr verletzungsfrei durchspielen.“ Dieses wird er, soviel ist klar, nicht bei der SG Flensburg-Handewitt erleben. „Die SG plant nach der Saison nicht mehr mit mir“, sagt von Behren. Er hatte ein Gespräch mit Manager Fynn Holpert, das „okay“ gewesen sei. „Ich bin nicht beleidigt.“ Spekuliert wird bereits, dass er nach Minden zurückkehren könnte, wo er das Handballspielen erlernte.

Dass Bundestrainer Heiner Brand ihn trotz der ungewissen Zukunft berücksichtigt hat für das Einladungsturnier, empfindet von Behren, der nach einem Mittelhandbruch im Verein nur selten eingesetzt wurde, als riesigen Vertrauensbeweis. Zumal er Trainer und Mannschaft schon einmal schwer enttäuscht hat. Als von Behren nur zwei Wochen vor der EM 2004 in Slowenien überraschend bekannt gab, er werde auf das Turnier verzichten, prophezeite der damalige Teamkollege Stefan Kretzschmar, von Behren werde nie wieder ein Länderspiel für Deutschland machen. Von Behren kam dann doch zurück: Als sich Pascal Hens im olympischen Turnier von Athen verletzte und von Behren nachnominiert wurde. Die Silbermedaille von Athen bleibt bis dato der größte sportliche Erfolg des Rechtshänders. Bei allen anderen Erfolgen fehlte er. Die Verletzungen.

2003 in Portugal, als Deutschland erstmals nach 1978 wieder ins Finale vorstieß, war er nur als TV-Experte dabei, nach seinem ersten Kreuzbandriss. Und als Deutschland vor acht Monaten in einem wahren Rausch zum WM-Titel stürmte, kurierte er, der eigentlich gesetzt war für die Abwehr, seinen zweiten Kreuzbandriss aus. In der Nationalmannschaft hatte er schon ein Jahr früher einen herben Dämpfer erlitten: Im ersten Spiel bei der EM 2006 machte er eine derart unglückliche Figur gegen Spaniens Kreisläufer-Koloss Uríos de Fonseca, dass Brand ihn schon nach fünf Minuten, beim Stand von 0:5, vom Feld nahm. Oliver Roggisch nutzte seine Chance und ist seitdem erste Wahl im Deckungszentrum. Auch bei der WM.

Von Behren hat gelernt, mit diesen Rückschlägen zu leben. Auch mit Hilfe eines Sportpsychologen, den Brand engagiert hat. Doch es ist auch klar, dass sein letzter Versuch ist, sich im Leistungshandball zu etablieren. Von Behren sagt: „Sollte ich mich noch mal so schwer verletzen, werde ich nicht mehr zurückkommen.“

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