Sport : Der zweite Fall Springstein

Doping-Fund im Haus des Leichtathletik-Trainers

Friedhard Teuffel

Berlin - Während Thomas Springstein gerade mit seiner Lebensgefährtin Grit Breuer Urlaub macht, hat der Leichtathletiktrainer zu Hause ungebetenen Besuch bekommen. Die Staatsanwaltschaft Magdeburg hat am Dienstag das Haus des 46 Jahre alten Trainers vor den Toren Magdeburgs durchsucht und am Mittwoch veröffentlicht, was sie gefunden hat: die Dopingsubstanz Testosteron-Undecanoat. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte Anfang August Strafanzeige gegen Springstein erstattet.

Bis zum 6. Oktober hat Springstein noch Urlaub. Wenn er zurückkommt, dann könnte er schon viel verloren haben. Seinen Arbeitsplatz etwa, denn ein Dopingverstoß ist ein Kündigungsgrund. Springstein ist bei einer gemeinnützigen Gesellschaft zur Förderung des Leistungssports angestellt, deren Träger der Landessportbund von Sachsen-Anhalt ist. Zu seiner Trainingsgruppe zählen Nachwuchsathleten, aber auch seine Lebensgefährtin Grit Breuer und Nils Schumann, der Olympiasieger über 800 Meter von Sydney.

Nach seiner Rückkehr wird Springstein außerdem die Anerkennung verloren haben, die er sich in den vergangenen sechs Jahren in Magdeburg erworben hat. „Ich bin tief enttäuscht, weil ich einer derjenigen war, die ihm eine neue Chance geben wollten“, sagte Martin Sanne, der als Sportlicher Leiter beim SC Magdeburg zuständig ist für Athleten aus Springsteins Trainingsgruppe. Er ergänzte: „Wir wissen alle, dass nun auch Grit Breuer reingezogen wird.“

Die Arbeit in Magdeburg war die Gelegenheit für den Trainer, sich einen neuen Ruf zu erarbeiten. Denn Springstein steht in Verbindung mit dem bis dahin prominentesten Fall von Sportbetrug in Deutschland. Bei Sprint-Weltmeisterin Katrin Krabbe und Grit Breuer, Europameisterin über 400 Meter, wurde bei einer Dopingprobe 1992 der Wirkstoff Clenbuterol nachgewiesen, ein anaboles Steroid, das sich vor allem in der Kälbermast bewährt hatte. Weil die Substanz jedoch nicht auf der Dopingliste stand, wurden Krabbe und Breuer nur wegen Medikamentenmissbrauchs bestraft, nicht wegen Dopings. Ihr Trainer beim SC Neubrandenburg war Thomas Springstein.

Von da an haftete ihm wie keinem anderen in der Republik das Etikett des Dopingtrainers an. Der Präsident des Deutschen Sportbundes Manfred von Richthofen nannte ihn sogar einen „Brunnenvergifter“. Springstein zog vor allem die Verachtung der westdeutschen Sportfunktionäre auf sich. Sie sahen in seinem Verhalten das DDR-Dopingsystem weiterleben.

Springstein war geächtet, er wurde als hauptamtlicher Trainer des DLV entlassen. Einer weiteren Bestrafung entzog er sich. Er trat aus seinem Verein SC Neubrandenburg aus. So konnte ihn der Deutsche Leichtathletik-Verband nicht verurteilen. Während Katrin Krabbe gegen den Internationalen Leichtathletikverband (IAAF) Klage führte, sparte sich Grit Breuer auf Springsteins Anraten die Kraft für ihre Rückkehr auf die Laufbahn. Springstein trainiert Breuer seit 13 Jahre alt ist und ist seit zehn Jahren auch privat mit ihr verbunden. Als sie dann 1997 die 4-mal-400-Meter-Staffel zum Weltmeistertitel führte und 1998 Europameisterin über 400 Meter wurde, da stand auch Springstein auf einmal wieder in besserem Licht. Breuers Rückkehr war auch seine eigene, Springstein wurde Honorartrainer beim DLV, und 2002 wählte ihn der DLV sogar zum „Trainer des Jahres“ – ohne Gegenstimme.

Alle Zweifel an der Ehrlichkeit seiner Methoden hat Springstein dennoch nicht beseitigen können. Er wirkte wie ein Herrscher der Grauzone, weil er nach dem Grundsatz handelte, dass alles erlaubt sei, was nicht verboten ist. Er sprach rätselhaft von „Mitteln aus der Krebsforschung“, wenn er gefragt wurde, welche Medikamente er denn seinen Sportlern verabreiche.

Er wollte nicht dabei mitmachen, den Sport in schönen Farben als Schule der Persönlichkeitsbildung und Körperkultur darzustellen. „Es gibt keine Weltmeisterschaft für humane Leichtathletik. Der Sport ist unfair, damit muss ich leben. Ich sehe keinen Ausweg aus der Dopingproblematik“, sagte er. Jetzt wird klar, welchen Schluss er daraus gezogen hat.

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