Sport : Der zweite Mann kann es richten

Die Handballer des SC Magdeburg werden seit fünf Spielen vom Rumänen Ghita Licu trainiert – mit ihm will der Klub noch die Champions League erreichen

Hartmut Moheit[Magdeburg]

Stefan Kretzschmar gehörte diesmal zu denen, die Glück hatten. Bei feuchtkaltem Winterwetter brauchte er im Magdeburger Stadtpark nur eine Runde über vier Kilometer zu laufen, während einige Spieler des Handball-Erstligisten noch eine zweite drehen mussten. „Wer gegen Lemgo die längste Zeit auf dem Parkett war, den musste ich diesmal schonen“, sagt Ghita Licu über den Grund für die unterschiedliche Behandlung. Der neue Cheftrainer beim Meister von 2001 und Champions-League-Sieger von 2002 muss in dieser Saisonphase die Kräfte seines Teams genau dosieren. „Wir wollen noch Dritter in der Meisterschaft werden, und auch den Pokalsieg Anfang April in Hamburg haben wir uns zum Ziel gesetzt“, sagt der 60 Jahre alte Licu, der selbst ein ganz Großer im Handball war: 198 Länderspiele bestritt er für Rumänien, zweimal wurde er Weltmeister, dann war er Trainer von Dinamo Bukarest und auch der Nationalmannschaft seines Heimatlandes. „Das alles hilft mir heute nicht mehr weiter, jetzt zählt ausschließlich, war ich mit Magdeburg erreiche“, meint er.

Erreicht hat Licu als Nachfolger des entlassenen Isländers Alfred Gislason „bislang fünf Siege, mehr doch nicht“. Darunter zuletzt ein 30:28 gegen den TBV Lemgo – vor 8500 anspruchsvollen Fans in der Bördelandhalle –, der sich ebenfalls noch eine Chance auf den dritten Tabellenplatz ausrechnet. Gislason war sieben Jahre lang in Magdeburg. „Der Coach hat die Mannschaft nicht mehr erreicht“, sagt Manager Bernd-Uwe Hildebrandt. Das war der Grund für die vorzeitige Entlassung, die längst abgehakt ist. Im Tagesgeschäft der Ersten Bundesliga ist kein Platz für Sentimentalitäten. Die zweite große Herausforderung in dieser Woche folgt bereits heute bei den Rhein-Neckar-Löwen aus Kronau/Östringen, die unter Trainer Juri Schewzow die Mannheimer SAP-Arena zu ihrer schwer einzunehmenden Festung werden ließen. Magdeburg muss dort gewinnen, um sich als Tabellenvierter die Chancen auf einen Platz in der Champions League zu bewahren.

Aber die Spieler sind dieselben, die mit Gislason die hohen Erwartungen nicht erfüllt haben. Und Licu, der damalige Kotrainer, „konnte natürlich nichts Grundlegendes ändern“. Zunächst einmal versucht er, die Kräfte der Spieler besser zu dosieren. Nach dem harten Spiel gegen Lemgo gab es lediglich den Lauf im Park, am Freitag war trainingsfrei und am Samstag ging es nach einer lockeren Einheit und dem gemeinsamen Mittagessen bereits nach Mannheim. „Einige Spieler waren verletzt oder krank, andere fallen neu aus“, klagt Licu. „Zwischenzeitlich fehlten mir beim Training acht Spieler.“ Seit der Begegnung mit Lemgo kommt auch Nationalspieler Christian Sprenger hinzu, der mittlerweile am Fuß operiert wurde.

Doch die aktuelle Situation beim SC Magdeburg ist auch von Unruhe geprägt, weil Spieler den Verein zu Saisonende verlassen, und damit eine Schwächung verbunden ist. Allen voran der Slowene Renato Vugrinec, der gegen Lemgo mit elf Toren glänzte, aber auch die Isländer Arnor Atlason und Sigfus Sigurdssoson spielen in Hildebrandts Planungen keine Rolle mehr. Dafür wurden mit dem polnischen Kreisspieler Bartosz Jurecki und Fabian van Olphen (aus Lübbecke) bisher gerade einmal zwei Spieler verpflichtet. Für den rechten Rückraum soll noch der Weißrusse Andrej Kurtschew ein Kandidat sein, der beim wahrscheinlichen Absteiger Concordia Delitzsch der überragende Spieler ist. Ob diese Verpflichtungen auch auf die Wünsche von Ghita Licu zurückgehen, dazu möchte er sich nicht äußern.

Auch Aussagen zu seiner Zukunft lässt der leicht herzkranke Rumäne offen. Es halten sich dagegen beharrlich Gerüchte, dass für ihn der polnische Nationaltrainer und ehemalige deutsche Nationalspieler Bogdan Wenta für die neue Saison als Cheftrainer verpflichtet wird. Mit Jurecki, Grzegorz Tkaczyk und Karol Bielecki hat die polnische Nationalmannschaft zukünftig ohnehin eine Dependance in Magdeburg.

Ghita Licu, dem früher der Ruf eines „Schleifers“ vorausging und der nach eigener Aussage „ nie zufrieden ist“, möchte jedenfalls „eines Tages nach Bukarest zurückkehren“. Wann das sein wird, beschäftigt ihn derzeit nicht. An den vergangenen Tagen stapelten sich DVDs mit Aufnahmen der Spiele von Kronau/Östringen auf seinem Schreibtisch in der Bördelandhalle. Für Licu gibt es keine Schonzeit.

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