Sport : Derby auf Augenhöhe

Dortmund und Schalke haben sich in dieser Saison auch sportlich angenähert

Jörg Strohschein[Gelsenkirchen]

Josef Schneck sah äußerst zufrieden aus. „Wir hätten 150 000 Karten für dieses Spiel verkaufen können“, sagte der Sprecher von Borussia Dortmund. Natürlich sind die rund 80 000 Plätze im Dortmunder Stadion seit Monaten vergeben. So wie es schon traditionell bei jedem Derby zwischen dem BVB und dem Schalke 04 der Fall ist. Doch die Mitteilung Schnecks hatte noch einen zweiten Inhalt: Das heutige Revierderby findet auch sportlich auf Augenhöhe statt – und die Anhänger haben das bemerkt. Sieben Punkte haben beide Klubs an den ersten drei Spieltagen eingespielt und sich in die obere Tabellenhälfte geschoben.

Heute trifft somit der Tabellenerste (Schalke) auf den Dritten (Dortmund). Die Jahre, in denen der Blick der Dortmunder ein wenig neidisch und argwöhnisch nach Gelsenkirchen gehen musste, sollen endgültig vorbei sein. Immerhin treten beide Mannschaften in dieser Saison im gleichen internationalen Wettbewerb, dem Uefa-Cup, an. Wann hatte es das zuletzt gegeben?

„Schalke ist eines von drei Teams, die Deutscher Meister werden können. Aber das ändert nichts daran, dass wir sie an einem guten Tag schlagen können“, sagt Jürgen Klopp. „Und dafür bietet sich ein Heimspiel an.“ Klopp ist der Mann beim BVB, der dem Klub innerhalb weniger Wochen ein neues Selbstverständnis verliehen hat. Der Trainer hat mit seinem selbstbewussten Auftreten, seinen flotten Sprüchen und nicht zuletzt mit seinen positiven Ergebnissen dafür gesorgt, dass die depressive Stimmung der Amtszeit seines Vorgängers Thomas Doll in Vergessenheit geraten ist. Doch trotz aller von Klopp selbst befeuerter Euphorie zeichnet sich der Trainer des BVB durch ein großes Maß an Nüchternheit aus. „Realistisch betrachtet können wir nicht die gleichen Ziele wie Schalke haben“, sagt er. Tatsächlich muss es dem ehemaligen Mainzer gelingen, mit einem überschaubaren Investitionsaufwand einen sportlichen Aufwärtstrend einzuleiten.

Für sieben neue Spieler hat der BVB rund zehn Millionen Euro ausgegeben, allerdings gleichzeitig auch rund 7,5 Millionen Euro aus Verkäufen eingenommen. Beim ungeliebten Nachbarn sieht diese Bilanz anders aus. 15,5 Millionen haben die Schalker für Jefferson Farfan und Orlando Engelaar ausgegeben und nur 3,7 Millionen aus Verkäufen eingenommen. Dennoch scheinen auch die Schalker Verantwortlichen den Aufwärtstrend des BVB zur Kenntnis zu nehmen. „Auch wenn sie es in Dortmund nicht so sagen: Ich glaube, dass ihre Ziele recht ambitioniert sind in dieser Saison“, sagt Andreas Müller.

Der Schalker Manager hat seinem Trainer allerdings eine deutlich andere sportliche Ausgangsposition zur Verfügung gestellt. Der Holländer Fred Rutten konnte im Gegensatz zu Jürgen Klopp eine Bundesliga-Spitzenmannschaft übernehmen, deren Qualität durch die beiden kostspieligen Neuzugänge noch erhöht wurde. Seine Aufgabe ist es, neben der leichten Verbesserung der sportlichen Ergebnisse auch die Attraktivität der Darbietungen zu erhöhen. „Unser Ziel ist es, in der Spitzengruppe mit zu spielen“, sagt Andreas Müller und meint damit als Mindestanforderung die direkte Qualifikation für die Champions League. Vom Gewinn der Meisterschaft ist (noch) nicht wieder die Rede. Den beiden Trainern Jürgen Klopp und Fred Rutten ist zumindest gemein, dass sie nicht gerne Auskunft über Details der Mannschaft geben. Spielt Ralf Fährmann im Schalker Tor für den verletzten Mathias Schober? Ist der Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller (Risswunde) wieder einsatzfähig? Beide Trainer wollten sich noch nicht auf ihre Nummer eins für das Derby festlegen. Auch in Sachen Diskretion sind Dortmund und Schalke momentan gleichauf.

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