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Deutsche Hooligans bei der EM in Lille : Die Gegenwart der Gewalt

Am Tag, an dem der DFB Daniel Nivel einlädt, grölen und randalieren deutsche Nazi-Hooligans auf den Straßen von Lille.

DFB-Präsident Reinhard Grindel (rechts) mit Daniel Nivel und dessen Frau Lorette Nivel.
DFB-Präsident Reinhard Grindel (rechts) mit Daniel Nivel und dessen Frau Lorette Nivel.Foto: dpa

Zwei Szenen, nur wenige Kilometer voneinander entfernt bei dieser Europameisterschaft. Auf einem Empfang des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) begrüßt Verbandspräsident Reinhard Grindel auch Daniel Nivel. Der französische Gendarm war 1998 bei der WM in Lens von deutschen Hooligans brutal misshandelt worden. Sechs Wochen lag er im Koma, seitdem ist er auf einem Auge blind und teilweise gelähmt. Zur gleichen Zeit versammeln sich etwa 100 bis 150 deutsche Hooligans am Regionalbahnhof von Lille. Sie brüllen „Deutschland Hooligans“, „Heil“ und „Wir sind wieder einmarschiert“. So präsent wie an diesem Tag sind deutsche rechtsradikale Hooligans seit langem nicht mehr im Ausland aufgefallen.

Daniel Nivel verfolgte später auf Einladung des DFB das Spiel zwischen der Nationalelf und der Ukraine. „Es bedeutet uns sehr viel, dass Daniel Nivel unsere Einladung angenommen und sich über diese Geste gefreut hat. Wir haben nie vergessen, was ihm Deutsche angetan haben, welches Leid über ihn und seine Familie gebracht wurde“, sagt DFB-Präsident Grindel. „Es war uns wichtig, ihm noch einmal persönlich zu sagen, dass wir über das Engagement der Daniel-Nivel-Stiftung auch in Zukunft immer für ihn da sein werden.“ Und Grindel sagt noch, dass Nivels Schicksal Mahnung sein sollte, dass so etwas nie mehr passieren darf.

Auch Aktivisten von "Hooligans gegen Salafisten" sind in Lille

Wie zum Hohn grölen währenddessen deutsche Hooligans Nazi-Parolen. Kenner der Szene haben unter den Krawalltouristen auch Aktivisten von „Hooligans gegen Salafisten“ ausgemacht. Der Hitlergruß wird gezeigt, später kommt es in den Straßen von Lille auch zu Gewalt. Randalierer werfen mit Stühlen. Vor dem Spiel wurden zwei Menschen leicht verletzt. Die Präfektur des Départements Nord konnte am Sonntagabend zunächst keine Informationen dazu weitergeben, wer die Auseinandersetzung provoziert hat. Die Polizei habe den Zusammenstoß aber schnell beendet, sagte eine Sprecherin.

Der Sprecher der deutschen Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze hatte zuvor gesagt, rund 50 Hooligans hätten mehrere ukrainische Fans angegriffen. Die Deutschen hätten am Nachmittag in der Innenstadt eine Gruppe von Ukrainern mit Dosen beworfen, berichtete ein Sprecher der Polizei in der nordfranzösischen Stadt. Dabei wurden zwei Ukrainer verletzt, die sich später in einem Krankenhaus behandeln ließen. Die Uefa nahm die Auseinandersetzungen zwischen Fans aus Deutschland und der Ukraine am Sonntagabend in Lille zur Kenntnis. Über eventuelle disziplinarische Maßnahmen konnten vorerst keine Angaben gemacht werden.

Immerhin hatte die Bundespolizei verhindert, dass weitere Hooligans nach Frankreich gereist sind. Bei verstärkten Kontrollen hat die Bundespolizei in der Grenzregion von Rheinland-Pfalz 21 Hooligans gestoppt. Zunächst wurde eine 18-köpfige Gruppe einschlägig bekannter Gewalttäter aus Dresden an der Ausreise gehindert. Die Männer seien in drei Kleinbussen unterwegs gewesen, bei ihnen seien Sturmhauben und Mundschutze gefunden worden. Am Nachmittag wurden noch mal drei Hooligans aus Kaiserslautern gestoppt. Man gehe davon aus, dass sie beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen die Ukraine in Lille gewalttätige Auseinandersetzungen geplant hätten, sagte ein Sprecher. Einer der Männer aus Kaiserslautern habe deutschlandweit Stadionverbot, seine beiden Begleiter hätten sich ihre Tickets unter falschem Namen beschafft. (Tsp/dpa)

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