Deutsche Skifahrerinnen : Probiert mal die Abfahrt

Der neue Frauentrainer Thomas Stauffer will die deutschen Skifahrerinnen vielseitiger machen. Stauffer war Wunschkandidat nachdem Mathias Berthold dem attraktiven Angebot des Österreichischen Skiverbandes nicht widerstehen konnte.

Klaus-Eckhard Jost
Vor dem Tor schon Weltklasse. Aber auch ohne Tore soll Viktoria Rebensburg auf der Piste bald ganz vorne mitfahren.
Vor dem Tor schon Weltklasse. Aber auch ohne Tore soll Viktoria Rebensburg auf der Piste bald ganz vorne mitfahren.Foto: picture alliance / dpa

BerlinÜber ihren neuen Chef haben sich die deutschen Skifahrerinnen schnell eine einheitliche Meinung gebildet. „Er hat einen ruhigen Charakter“, sagt Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg; Kathrin Hölzl, die Weltmeisterin in derselben Disziplin, spricht vom Ruhepol der Mannschaft. Und die zweifache Olympiasiegerin Maria Riesch sagt; „Er ist ein eher ruhiger, zurückhaltender Typ.“

Nicht aufbrausend zu werden und alles ändern zu wollen, scheint eine gute Voraussetzung zu sein. Denn was sollte Thomas Stauffer, 41 Jahre alt, Schweizer, auch groß umwerfen? Die Mannschaft fährt ausgesprochen erfolgreich. Stauffer wurde Cheftrainer der Frauen, nachdem Mathias Berthold dem attraktiven Angebot des Österreichischen Skiverbandes nicht widerstehen konnte und dort nun das Männerteam trainiert. Auch Stauffer war Wunschkandidat. „Es gab keine Ausschreibung“, sagt Wolfgang Maier, Sportdirektor alpin im Deutschen Skiverband (DSV), „Tom war der einzige Kandidat.“ Der brachte als Reputation drei Jahre erfolgreiches Wirken im US-Team und sieben bei den Schweden mit.

Thomas Stauffer
Thomas StaufferFoto: picture alliance / dpa

Wie beginnt dieser Erfolgstrainer seine neue Arbeit in einem erfolgreichen Team? Natürlich zurückhaltend. „Ich habe mich am Anfang ins Team geschlichen.“ Kurskorrekturen hat er keine vorgenommen. Warum auch? „Ich habe einen roten Faden gefunden und war überrascht, wie gut der mit meinen Vorstellungen übereinstimmt.“

Trotzdem soll im kommenden Winter einiges anders werden. „Einige Läuferinnen werden einen Sprung machen“, verspricht Stauffer. Sie sollen vor allem ihr Programm erweitern. Viktoria Rebensburg soll neben ihrer Hauptdisziplin Riesenslalom künftig auch Super-G und Abfahrt bestreiten. Die 21-Jährige vom Tegernsee freut sich darauf, warnt aber vor zu großen Erwartungen: „In der Abfahrt spielt die Erfahrung eine große Rolle, die fehlt mir noch. Aber im Super-G möchte ich in die erste Startgruppe.“

Kollegin Hölzl will dagegen im Slalom „endlich wieder einen großen Schritt nach vorne machen“. Das hat auch Stauffer erkannt: „Die Kathrin kann im Slalom mehr, als sie seither gezeigt hat.“ Dabei lief die Vorbereitung bei der 26 Jahre alten Berchtesgadenerin nicht problemlos. Wegen Muskelschmerzen am ganzen Körper beim Krafttraining konnte sie die Vorbereitung nur eingeschränkt bestreiten. Vor dem Saisonauftakt am Wochenende in Sölden hat sie dennoch Hoffnung: „Der eine hat mit dem Rücken zu tun, der andere mit dem Knie – reibungslos kommt fast keiner durch den Sommer.“

Sportlich kann Maria Riesch ihr Programm nicht mehr vergrößern. Die Allrounderin aus Garmisch-Partenkirchen, in den vergangenen beiden Wintern jeweils Zweite im Gesamt-Weltcup, bestreitet alle vier Disziplinen und die Kombinationen. Deshalb hat sie ein zweites Projekt neben der Piste. Im Frühjahr will sie ihren Manager Markus Höfl heiraten. „Auf alle Fälle werde ich Einfluss auf die Planungen nehmen, schließlich ist es meine Hochzeit.“ Mehr will sie dazu nicht sagen. Dafür schon mehr zum neuen Trainer. An dem gefällt ihr vor allem, dass er großes Interesse an ihrer Meinung zeigt. Mathias Berthold habe den Athleten weniger Mitspracherecht eingeräumt, mehr auf die Aussagen der Trainer vertraut.

Doch sowohl die Läuferinnen als auch die Trainer haben in diesem Winter nur ein Ereignis im Focus: die Weltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen. Maria Riesch und Kathrin Hölzl treten als Titelverteidigerinnen im Slalom und Riesenslalom an. Sollte ihnen die Wiederholung der Erfolge von Val d'Isère gelingen, hätten sie die Vorgabe von zwei Medaillen erfüllt. Aber auch Viktoria Rebensburg und Susanne Riesch sind Kandidatinnen.

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