Deutscher Eishockeymeister : Eine Mannschaft voller Patienten

Die Meisterschaft der Eisbären ist noch höher einzuschätzen als ohnehin schon, weil sie ihre Spiele trotz vieler verletzter Profis gewannen.

Katrin Schulze[Düsseldorf]
Stefan Ustorf, Steve Walker, Denis Pederson
Die drei mit dem Pott. Stefan Ustorf, Steve Walker und Denis Pederson.Foto: dpa

Die Eisbären flitzten über das Eis des Düsseldorfer Domes. Die Eisbären humpelten durch das Mannschaftshotel. Der eine mit einem geschienten Fuß, ein anderer mit Krücken. Diese Szenen ereigneten sich am selben Abend. Sie zeigen, wie hoch der vierte Meistertitel der Berliner tatsächlich zu bewerten ist. Denn  „mindestens die Hälfte unserer Mannschaft hat die Finalserie verletzt bestritten“, sagt Sven Felski. „Andere Teams wären so wahrscheinlich gar nicht erst aufgelaufen.“

 

Steve Walker, der mit dem geschienten Bein, spielte mit einem Fußbruch. Denis Pederson, der Mann an den Krücken, beklagte einen kaputten Knöchel. Zudem agierte er ohnehin mit einem zumindest leicht verletzten Knie. Außerdem verzeichnet die Mannschaft von Don Jackson noch zwei Schulterverletzte, einen weiteren mit Knieproblemen, einen mit Hodenprellung, einen mit Rückenbeschwerden und einen mit einem gebrochenem Kiefer und akutem (achtfachem) Zahnverlust. Dass sich darüber hinaus noch vier Grippepatienten unter den Leidenden aufhielten, fällt da beinahe schon gar nicht mehr ins Gewicht.

 

Der Begriff „Patienten“, den Felski im Halbfinale für die rüde Gangart der Mannheimer Spieler geprägt  hatte, erhält so eine ganz neue Bedeutung. Felskis Team ist ein Team voller Patienten. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.  

 

Da schlägt also eine völlig lädierte Truppe den Rest der Liga? Ganz so neu ist das nicht, denn schon in der vergangenen Saison spielten die Berliner mit Kreuzbandrissen, Mittelfußbrüchen und dem Einfluss sämtlicher legaler Schmerzmittel. Sie sind ihren Gegnern trotzdem überlegen, weil sie ihm überlegen sein  wollen.

 

„Meine Schmerzen im Fuß wurden immer schlimmer“, sagte Walker. „In der Serie gegen Mannheim stand ich kurz vor der Aufgabe. Aber letztlich wollte ich für mein Team und den Erfolg kämpfen.“ Es ist dieser Erfolgsdurst, der die Eisbären immer wieder antreibt, in den Play-offs selbst mit noch so akuten Verletzungen aufzulaufen. Dass die Gesundheit perspektivisch darunter leiden könnte. Egal. Der Moment zählt: der Sieg. Und viele Siege führen zur Meisterschaft.

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