Sport : Deutsches Finale

Nicolas Kiefer trifft bei den US Open in der zweiten Runde auf Rainer Schüttler

Matthias B. Krause

New York. Nach seinen Duellen mit Rainer Schüttler befragt, kann sich Nicolas Kiefer nur an eines erinnern. „Gegen Rainer darf man nie aufhören, der wird immer wieder aufstehen. Da muss man drauf, drauf, drauf.“ In der zweiten Runde der US Open wird der einst als neue Galionsfigur des deutschen Tennis gefeierte Hannoveraner beweisen müssen, dass er für diese Taktik genügend Standfestigkeit besitzt. Nach einer Reihe von Misserfolgen sucht Kiefer einen Weg zurück in die Top Ten.

Schüttler dagegen kann mit der Selbstsicherheit des Favoriten in das deutsch-deutsche Aufeinandertreffen gehen. Seit seinem Finalvorstoß bei den Australian Open zu Jahresbeginn hat sich der Mann aus Korbach fest als Nummer eins in Deutschland etabliert. Neben dem unbeständigen Kiefer wirkt Schüttlers stiller Aufstieg wie ein Investment in einer Staatsanleihe. Der Ertrag wächst langsam, aber stetig. In diesem Jahr erreichte er elfmal mindestens ein Viertelfinale und derzeit richtet sich sein Blick auf einen der acht Plätze für die WM in Houston, für die er noch Punkte sammeln muss. Kiefer auf diesem Weg nur eine Randnotiz sein.

„Das Match ist eines wie jedes andere“, sagte Schüttler nach seinem Erstrundenerfolg gegen den Australier Wayne Arthurs, „ein bisschen Prestige ist aber schon dabei“. Persönliche Animositäten spielten keine Rolle. „Wir kennen uns schon sehr lange, sind befreundet, respektieren uns und haben ein ziemlich normales Verhältnis.“ Jedenfalls, soweit das mit dem Sonderling Kiefer möglich ist. Zuletzt seien sie in Cincinnati gemeinsam Essen gegangen, erzählt Schüttler, „aber er zieht sich schon sehr zurück“.

Die Statistik spricht für Schüttler. Seine letzte Niederlage gegen Kiefer datiert auf das Jahr 1999. Es folgten Siege in der ersten Runde der US Open 2001 und in Sydney 2002. „Niederlagen verdrängt man, an Siege erinnert man sich“, sagt Kiefer. Besonders voll kann sein Kopf somit in den vergangenen drei Jahren nicht gewesen sein. Der Fall von der Nummer vier der Weltrangliste im Januar 2000 war tief, sein Image ruinierte er gleich mit. Mittlerweile, sagt Kiefer, sei alles anders geworden, wieder einmal. „In den vergangenen sechs Wochen habe ich in Amerika viele Matches gewonnen, ich bin stabiler geworden und habe wieder einen Spielplan.“ Er fühle sich stärker. Sein Auftakt in New York gestaltete sich problemlos. Der Argentinier Franco Squillari kam beim Spielstand von 3:6 und 0:5 herüberspaziert und gab dem Deutschen die Hand – Aufgabe wegen Verletzung. „Ich bin kaum in den Rhythmus gekommen“, sagte Kiefer, „aber wenigstens habe ich Kraft gespart“.

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