Sport : Deutschlandreise

Der DTB hat eine Turnierserie reaktiviert, um junge Talente zu fördern

Stefan Hermanns

Berlin - Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), hat mit seiner Terminplanung für diese Woche einige Kritik ausgelöst. Gestern ist er nach Nürnberg gefahren, um sich Deutschlands einziges großes Jugendturnier während des Winters anzuschauen. Seine Kritiker hätten ihn lieber in Johannesburg gesehen, wo am Wochenende das Daviscupteam spielt.Doch Eberhard hält seine Entscheidung weiterhin für richtig. Mag sein, dass sein Verzicht auf eine Reise nach Südafrika auch finanzielle Gründe hatte; man kann ihn aber auch als Ausdruck für eine neue Gewichtung im Verband sehen. Der DTB hat die Basis wiederentdeckt.

Eberhard, seit Januar Sportdirektor, war in diesem Jahr schon in Nussloch, Stammheim, Oberhaching, Wolfsburg und einigen anderen Klein- und Mittelstädten der Republik. Bei seinen Reisezielen handelt sich um die Austragungsorte von Turnieren der German Masters Serie. Der DTB hat diese Serie mit Turnieren der unteren und mittleren Preiskategorie in diesem Jahr erheblich erweitert. „Sie ist eine ganz wichtige Stütze für den Leistungssport“, sagt Eberhard.

Bis zu diesem Winter gab es zwischen September und Mai nur ein Männer- und ein Frauenturnier in Deutschland. Rolf Schmid, der Sportwart im DTB, sagt: „In der Vergangenheit mussten Nachwuchsspieler teure Reisen auf sich nehmen, um im Ausland die ersten Punkte für die Weltrangliste zu ergattern.“ In diesem Winter ist es für die Deutschen einfacher und billiger. Bei den Frauen gibt es jetzt vier Turniere im eigenen Land, bei den Männern sogar neun. Und es sollen noch mehr werden.

Neu ist das Konzept nicht. Schon in den Achtzigerjahren gab es die Serie in ähnlicher Form, bis vor zwei Jahren hieß sie „Warsteiner Serie“, ehe der Bierbrauer sein finanzielles Engagement einstellte. Für diesen Winter haben die Werbepartner des DTB 50000 Euro zur Verfügung gestellt. Der Verband sucht nun einen Titelsponsor, um die Serie auf Dauer finanzieren zu können. Die Challenger-Turniere mit bis zu 25 000 Euro Preisgeld sollen dabei als „Race to the top“ vermarktet werden. Spieler, die hier gewinnen, haben gute Chancen, binnen kürzester Zeit in die Weltspitze vorzustoßen. Die geringer dotierten Future-Turniere sind hingegen so etwas wie eine Weltmeisterschaft der besten Junioren.

„Es ist eine hervorragende Art der Förderung“, sagt Eberhard über die Serie. Als Veranstalter hat der DTB die Möglichkeit, die Wildcards an seine Athleten zu vergeben. Auf diese Weise finden sich in einem 32er-Teilnehmerfeld bis zu 20 Deutsche. Bisher hat es immer mindestens einer ins Halbfinale oder Finale geschafft. Bei den Frauen haben die Turniere in Deutschland „fast Lehrgangscharakter“, sagt Eberhard. Weil die Deutschen zusammen trainieren, bleiben auch jene Spielerinnen bis zum Ende des Turniers, die bereits ausgeschieden sind.

Die erfreulichen Resultate der Serie sind schon nach kurzer Zeit zu sehen. Die Saarländerin Kristina Barrois gelangte durch ihren Turniersieg in Oberhaching erstmals auf die Weltrangliste. Der 18 Jahre alte Andreas Beck hat binnen sechs Wochen einen Sprung unter die besten 300 geschafft. Philipp Petzschner verbesserte sich im selben Zeitraum um mehr als 100 Plätze, der Berliner Sebastian Rieschick sogar um 150. Und der 17 Jahre alte Hamburger Mihail Zwerew drang in Lübeck ins Viertelfinale vor. Trotz allem sagt Sportdirektor Eberhard, dass die Turnierserie „kein Allheilmittel“ sei. Wer nur in Deutschland spielt, kann auch weiterhin kein Weltklassespieler werden.

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