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DFB-Chef Niersbach und die Fifa-Krise : Wer nicht auf den Tisch haut, bewirkt auch nichts

DFB-Chef Wolfgang Niersbach sollte Druck auf Joseph Blatter ausüben. Statt dessen setzt er auf Kooperation. Doch so ist gegen den Fifa-Präsidenten nichts auszurichten. Ein Kommentar.

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Keine Freunde, aber es könnte schlimmer sein. Sepp Blatter mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach.
Keine Freunde, aber es könnte schlimmer sein. Sepp Blatter mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach.Foto: dpa

Mit Joseph Blatter lässt man sich gerade nicht gerne fotografieren. Das sieht nach Komplizenschaft aus. Wolfgang Niersbach hatte vor wenigen Tagen kaum eine andere Wahl. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes rückte ins Exekutivkomitee der Fifa auf. Und dazu gehört ein Foto mit dem Präsidenten des Weltverbands. Was er allerdings frei wählen konnte, waren seine Worte danach. Er sei enttäuscht von der Wahl Blatters, sagte Niersbach, aber die Beziehung zu ihm sei in Ordnung, es gehe weiter mit der Kooperation. Enttäuscht kann man aber auch von Niersbach sein.

Wolfgang Niersbach ist kein Journalist mehr. Früher arbeitete er beim Sport-Informationsdienst, ehe er Pressechef, Generalsekretär und schließlich Präsident des DFB wurde. Von ihm wird keine differenzierte Analyse erwartet, was an der Misere der Fifa Blatter persönlich anzulasten ist und was nicht. Von Niersbach wird eine Haltung erwartet. Seine Haltung lautet, dass das System im Weltfußball eben so funktioniere, wie es funktioniere. Blatter ist der alte und neue Präsident, mit dem man zusammenarbeiten müsse.

Niersbachs Haltung ist von Pragmatismus geprägt

Man könnte Niersbach in der Tat zugutehalten, dass er nicht das macht, was gerade die meisten tun: Joseph Blatter als Wurzel allen Übels im Fußball zu sehen. Niersbachs Haltung mag von Pragmatismus geprägt sein. Es ist auch nicht so, dass ihm egal wäre, wer an der Spitze der Fifa steht. Er hat Blatter nicht gewählt. Und Blatter hat ihm auch noch einen Gefallen getan. Indem er in einem Interview darüber plauderte, Franz Beckenbauer habe Niersbach zusammengefaltet, weil der gegen ihn gestimmt habe. Es gibt in diesen Tagen ein schlechteres Image, als zu den größten Gegnern Blatters zu zählen.

Niersbach sollte das allerdings anspornen. Während er sachlich blieb, teilte Blatter gegen ihn aus. Sind das wirklich ordentliche Beziehungen? Wer so lange dazugehört, muss wissen, mit welchen Wassern Blatter gewaschen ist.

Niersbachs Tonlage erinnert gerade an den in der Rangordnung noch höher stehenden Sportfunktionär aus Deutschland. Es ist Thomas Bachs Strategie als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, nie auf Konfrontationskurs zu gehen. Wer draufhaut, bewirkt nichts. An Bach und anderen lässt sich aber sehen: Wer nicht auf den Tisch haut, bewirkt gerade in solchen Fällen auch nichts.

Niersbach ist nicht irgendwer. Er steht dem größten nationalen Sportverband der Welt vor. Jetzt gehört er auch der Fifa-Regierung an. Das gibt ihm neuen Einfluss. Er kann reden. Er kann streiten. Er bekommt Zugang zu Informationen, die anderen verborgen bleiben. Wenn er etwas von Unregelmäßigkeiten mitbekommt, kann er mit Indiskretion drohen. Damit kann er auch seinen Vorgänger im Amt übertreffen, Theo Zwanziger. Der saß vier Jahre in der Fifa-Exekutive, war ebenfalls als Hoffnungsträger eingezogen und hatte auch nichts ausrichten können gegen das gängige Geschäftsgebaren.

Vom nächsten Treffen des europäischen Verbands Uefa an diesem Wochenende in Berlin, dem ersten nach Blatters Wiederwahl, solle man nicht zu viel erwarten, hat Niersbach nun gesagt. Von ihm offenbar auch nicht.

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