DFB-Elf : Das Sommermärchen geht weiter

Mit ihrem souveränen Sieg in Bratislava hat die DFB-Elf einen großen Schritt auf dem Weg zur EM 2008 gemacht - und gleichzeitig bewiesen, dass sie noch immer verzaubert.

Bratislava - Man kann es wohl nicht mehr anders deuten: Die deutsche Nationalmannschaft macht wieder richtig Spaß. Konnten die tollen Leistungen während der Weltmeisterschaft noch mit dem Heimvorteil und der im Land herrschenden Euphorie relativiert oder der 13:0-Kantersieg in San Marino mit der Schwäche des Gegners erklärt werden, hat die DFB-Elf nun auch den "Härtetest" in Bratislava glamourös bestanden. So verwunderte es nicht, dass man nach dem souveränen und hochverdienten 4:1 (3:0)-Erfolg in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2008 gegen die Slowakei rundum zufrieden Gesichter bei der deutschen Mannschaft sah.

"Es hat sehr viel Spaß gemacht heute. Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Das war ein tolles Spiel voller Freude", strahlte Joachim Löw nach der Partie. Der Bundestrainer lobte: "Das war ein großer Schritt in unserer Entwicklung. Wir haben gegen einen tollen Gegner endlich auswärts gezeigt, was wir können". In der Tat gab es für den DFB viel zu feiern. Der erste Auswärtssieg - sieht man vom Zwergstaat San Marino ab - seit dem Juni 2005 gegen Nordirland (4:1), eine starke Leistung in den selten glückbringenden roten Trikots sowie die makellose Bilanz unter Löw: 23:1 Tore und fünf Siege. Nicht zuletzt behält Deutschland in der Gruppe D eine weiße Weste und steht nur deshalb auf Platz zwei, weil Tschechien (1:1 gegen Irland) bereits ein Spiel mehr absolviert hat.

WM-Leistungen kein "Sommermärchen"

"Viele hatten gesagt, dass es schwierig nach der WM wird - aber wir haben gezeigt, dass wir das Niveau halten können. Vor allem in der ersten Hälfte", sagte Doppeltorschütze Lukas Podolski. Es schaut danach aus, dass die WM-Leistungen kein "Sommermärchen" waren, sondern eine beeindruckende deutsche Mannschaft formten. Vor 13 Monaten verlor Deutschland in der Slowakei noch sang- und klanglos mit 0:2. Nun knüpfte die Elf an ihre überzeugenden Vorstellungen der letzten Wochen an und kontrollierte das Spiel von Beginn an.

Gleich mit der ersten Strafraumszene gelang der schulmäßige Führungstreffer: Bernd Schneider spielte Miroslav Klose auf der rechten Seite frei. Der Angreifer von Werder Bremen zog auf die Grundlinie vor und legte den Ball auf Podolski zurück. Ohne große Mühe rechtfertigte der Jungstar nach dem Platzverweis gegen Georgien seine erneute Aufstellung mit dem 1:0 (13.). Leichtfüßig und spielfreudig setzte die Elf von Löw nach. Allen voran Podolski: Nach einem Pass von Bastian Schweinsteiger setzte sich der Bayern-Stürmer auf links durch, doch Klose köpfte die mustergültige Flanke aus drei Metern über das Tor (18.). Zwei Minuten später wurde der WM-Torschützenkönig nach einem Traumpass von Podolski gerade noch von Verteidiger Martin Skrtel am Torschuss gehindert.

3:0 nach 45 Minuten

Während die Slowaken nur schwerlich in die gegnerische Hälfte vordrangen, kombinierten die DFB-Auswahl munter weiter und wurde erneut belohnt. Als die Abwehr der Osteuropäer eine Abseitsfalle probte, stahl sich Michael Ballack davon und verwertete per Kopf eine Flanke von Lahm (25.). Die spektakuläre erste Hälfte krönte Schweinsteiger mit dem 3:0, nach dem der unsichere Keeper Kamil Contofalsky einen Schuss von Ballack nur abklatschen konnte (36.).

Wohl bedingt durch den komfortablen Vorsprung kam die deutsche Elf etwas behäbiger aus den Kabinen. Zunächst gab Vittek nur einen Warnschuss aus zu spitzen Winkel (49.). Nach einem unkonzentrierten Befreiungsschlag von Torhüter Jens Lehmann kam die Elf vom wohl scheidenden Nationaltrainer Dusan Galis zum Anschlusstreffer: Der 1,96-Meter-Hüne Stanislav Vargas stieg nach einem Freistoss am höchsten und vollendete mit dem Kopf (58.).

"Zick-zack Zigeunerpack"

"Es ist eben schwer, dass Niveau über 90 Minuten zu halten", beschwichtigte Löw und fügte hinzu: "Aber es war gut, dass wir nach dem Gegentor das Tempo wieder angezogen haben". Ohne das deutsche Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen, rückten die Slowaken nun weiter auf. Nicht unüberraschend entstand somit der vierte deutsche Treffer nach einem Konter. Nach einem weiten Pass von Ballack legte Klose vor dem Tor der Hausherren den Ball uneigennützig auf Sturmpartner Podolski auf, der sich mit seinem zweiten Treffer bedankte (72.). Auch Kapitän Ballack lobte: "Das war eine beeindruckende Leistung. Wir haben reif und abgeklärt gespielt und dann die Chancen eiskalt genutzt".

Wermutstropfen für die deutsche Seele: Zu Beginn der ersten Hälfte war "Zick-zack Zigeunerpack" aus einem Block mit etwa 400 deutschen Hooligans zu hören, in dem es anschließend zu einer Eskalation kam. Ungefähr 30 Polizisten stürmten in den Block und isolierten gewaltsam einige Hooligans, mindestens einer wurde sofort abgeführt. Die Einsatzkräfte bekamen die Situation zunächst unter Kontrolle, doch auch in der zweiten Halbzeit kam es noch mehrfach zu Auseinandersetzungen mit den Hooligans. "Wir distanzieren uns von diesen Leuten", sagte Ballack über die Randalierer. Schon tagsüber hatte die slowakische Polizei rund fünfzig mutmaßliche Hooligans aus Deutschland an der Grenze gestoppt und ihnen die Einreise verweigert. (tso/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben