Sport : DFB fordert Spieler zur Selbstanzeige auf

Wer Manipulationsversuche meldet, darf auf Strafmilderung bei eigenen Wettvergehen hoffen

Christian Tretbar[Frankfurt am Main]

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will der im Wettskandal ermittelnden Frankfurter Staatsanwaltschaft unter die Arme greifen. Der Verband hat gestern alle Vereine der Regionalligen und auch der Zweiten Bundesliga angeschrieben. Für alle Spieler, denen für die Manipulation eines Spiels Geld angeboten wurde, kann es sich gegebenenfalls strafmildernd auswirken, wenn sie sich gegenüber dem DFB bekennen und sich zum Beispiel herausstellt, dass sie selbst mit Wetten gegen DFB-Statuten verstoßen haben. Die Erste Liga betreffe das nicht, weil es dort keine Verdachtsmomente gebe.

„Es geht uns darum, Spieler zu ermuntern, den Fall aufzuklären“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. Den Begriff „Kronzeugenregelung“ hielt er für überzogen. DFB-Justitiar Götz Eilers verwies darauf, dass es „etliche Spieler“ geben soll, die angesprochen worden seien. „Aber nicht jeder hat sich bei seinem Verein oder dem DFB daraufhin gemeldet“, so Eilers. Der jüngste Fall kommt aus Karlsruhe. Beim Karlsruher SC wurde den Spielern Sean Dundee und Edmond Kapllani Geld geboten für die Manipulation eines Spiels. Zwanziger stellte aber klar, dass man deutlich zwischen dem staatlichen Strafrecht und den DFB-Richtlinien unterscheiden müsse. Um Betrug nach staatlichem Strafrecht handelt es sich erst, wenn es ein Geldangebot, eine Geldannahme und eine tatsächlich nachweisbare Manipulation gegeben hat. Ein Spieler macht sich demnach mit einer Wette erst dann strafbar, wenn er auf ein tatsächlich manipuliertes Spiel gewettet hat. Allein die Tatsache, gewettet zu haben, möglicherweise sogar auf das eigene Spiel, ist demnach noch keine Straftat.

Die DFB-Statuten bewerten das jedoch anders. Diese untersagen es jedem Spieler, selbst oder durch Dritte auf Spiele der eigenen Mannschaft oder der eigenen Liga zu wetten. Sollte das der Fall sein, würde der DFB-Kontrollausschuss ermitteln. Genau da will der DFB mildernde Umstände zugestehen, wenn ein Spieler zur Aufklärung des Wettskandals mit seinen Informationen beitragen kann. „Wir wollen wissen, wer wo und durch wen angesprochen wurde“, sagte Eilers. Die Aufklärung der aktuellen Manipulationsversuche in Zweiter Liga und Regionalliga habe Priorität: „Wenn jemand gegen dieses Wettverbot verstoßen haben sollte, uns aber durch seine Hinweise weiterhelfen kann, ist uns das im Moment wichtiger als die Androhung eines Kontrollverfahrens.“ Frist für diese Selbstanzeige der Spieler ist der 29. März.

Zwanziger betonte im Zusammenhang mit Anschuldigungen gegen Nationalspieler Bastian Schweinsteiger sowie die Spieler Quido Lanzaat und Paul Agostino von 1860 München noch einmal, dass es von der Münchner Staatsanwaltschaft weder Ermittlungen noch Durchsuchungen gegeben habe. Zumindest diese Behauptung hat der Chefredakteur der „tz“, Karl Schermann, gestern auch zurückgenommen und sich für den Fehler entschuldigt.

Auch Bundesligist 1. FC Nürnberg prüft, ob er rechtliche Schritte einleitet. Ivica Banovic, Profi des Vereins, war am Donnerstagabend in der Sat-1-Sendung „Akte 06“ der Manipulation bezichtigt worden. Ein anonymer Zeuge – angeblich derselbe, der auch in der ARD-Sendung „Plusminus“ von der Verstrickung eines Nationalspielers und mehrerer Bundesligaprofis gesprochen hatte – behauptete, Banovic sei an der Manipulation des Spiels 1860 München gegen Nürnberg zur Eröffnung der Allianz-Arena beteiligt gewesen. Banovic sagte, diese Anschuldigung sei „krank“.

Bundestrainer Jürgen Klinsmann sicherte Schweinsteiger unterdessen laut „Deutscher Presse-Agentur“ volle Unterstützung zu. „Natürlich“ bleibe der 21-Jährige im Aufgebot für das Länderspiel am kommenden Mittwoch gegen die USA, betonte der Bundestrainer am Freitag in Warschau, wo er sich zu einem Sponsorentermin aufhielt. Die Veröffentlichung der Münchner Boulevardzeitung nannte Klinsmann „unverantwortlich“ und fügte empört an: „Wir alle wissen, dass die Berichte keinen Hintergrund haben.“

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