Sport : DFB-Ligapokal: Hertha muss die Vitrine säubern

Oliver Trust

Man muss ihn mögen, diesen Ligapokal. Wer ihn gewinnt und 2,5 Millionen Mark dafür bekommt, wie Hertha BSC, lobt ihn als adäquates Vorbereitungsturnier mit sportlicher Aussagekraft. Wer ihn nicht gewinnt, wie Pokalsieger Schalke 04, und sich nach der 1:4-Niederlage mit 1,75 Millionen Mark begnügen muss, hält nicht so viel von diesem Wettbewerb. Die Berliner müssen sich nun als Nachfolger des Seriensiegers Bayern München ernsthaft mit der Frage beschäftigen, ob der "Titel" des Ligapokal-Siegers dazu taugt, neben dem vergilbten Foto der letzten Meisterschaft von 1931 im Klubheim von Hertha BSC aufgehängt zu werden. "Die Vitrine hat schon ein wenig Staub angesetzt. Da freut man sich, dass ein neuer Pokal hinzukommt", meinte Mannschaftskapitän Michael Preetz, der einmal den Pfosten traf.

Trainer Jürgen Röber ("Das hat viel in die Kasse gebracht, aber beweisen müssen wir uns am ersten Bundesligaspieltag gegen den FC St. Pauli") hat sich vielleicht noch ein bisschen mehr Erwartungsdruck aufgeladen. Erst die selbstbewussten Sprüche, die sich irgendwie um die Deutsche Meisterschaft rankten, dann die Bayern 1:0 im Halbfinale geschlagen und nun Schalke mit 4:1 bezwungen: Viele in Berlin reden jetzt offen von der Meisterschaft. "Dass uns jetzt einige sogar zum Favoriten machen wollen, damit müssen wir leben", sagte Jürgen Röber gelassen.

Zum Thema Fotostrecke: Bilder der Saison 01/02 Eine Chance für Schalke und sechs für Hertha BSC: So sahen die ersten 20 Minuten aus. Und das lag nicht nur am neuen Brasilianer der Berliner, sondern daran, dass Sebastian Deisler im Mittelfeld eine Klasse für sich ist, obwohl er nicht aus Südamerika kommt. Marcelinho aber brachte mit seiner Flanke die ungelenke Schalker Abwehr immerhin in solch arge Verlegenheit, dass Tomasz Waldoch den Ball glatt ins eigene Tor bugsierte. Beim zweiten Tor überließ Marcelinho nichts dem Zufall. Nur kurz leuchteten die gefärbten silberblonden Haare nach 29 Minuten im Strafraum wie eine Warnleuchte auf, dann rauschte der Ball vorbei an Frode Grodas, der Oliver Reck im Schalker Tor vertrat.

Vielleicht wollten sich die Schalker auch ein bisschen ausruhen für ihr Stadionfest in der neuen "Arena auf Schalke". Da schauen dann mit 70 000 ein paar mehr zu als gestern nur die 10 000 Besucher in Mannheim im Carl-Benz-Stadion. Immerhin, Jörg Böhme bereitete der Hertha-Abwehr wieder einmal Kopfschmerzen. "Ich seh nichts", rief Herthas Torwart Gabor Kiraly noch den Kollegen in der Mauer zu, da hatte der Mann mit dem harten Schuss Freistoß schon zugeschlagen. Da durften die Schalker Fans noch hoffen. "Doch am Ende waren die Berliner viel spritziger. Ein Glück, dass wir bis zum Bundesligastart noch eine Woche länger Zeit haben." Alex Alves erhöhte noch auf 3:1, mit einem abgefälschten Schuss besorgte Michael Hartmann den Rest. Herthas Abwehr hatte an diesem Nachmittag kaum etwas zu tun. Nur Gabor Kiraly rettete einmal gegen Hajtos Gewaltschuss aus 20 Metern Torentfernung auf seine Art - fast aufreizend mit der Schulter.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben