DFB-Pokal : Die Bayern senden eine Botschaft

Mit dem 5:1 in Stuttgart verschafft sich der Meister großen Respekt. "Die Konkurrenz weiß jetzt, wo der FC Bayern steht", tönt Manager Hoeneß. Ist Klinsmanns Team zu stoppen?

Oliver Trust[Stuttgart]
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Fern aller Bodenhaftung. Zé Roberto freut sich über seinen Treffer zum 5:0. Foto: dpa

Wohl jeder Profi des VfB Stuttgart musste an diesem Abend die eine, entscheidende Frage beantworten: Wer soll diesen FC Bayern stoppen? Und jeder zuckte mit den Schultern und wusste nichts wirklich Erhellendes zu erwidern. So schweigsam die Verlierer davontrotteten, so redselig gaben sich die Sieger. Der Auftritt der Münchner im Pokal-Achtelfinale war mit dem 5:1-Sieg zur eindrucksvollen Demonstration geworden. Drei Tage vor dem Rückrundenstart hat der FC Bayern ein Ausrufezeichen gesetzt und die Meinung aller 18 Bundesligatrainer bestätigt, die fest daran glauben, dass keiner die Münchner als Meister verhindern kann.

Auch Uli Hoeneß, ein Meister klarer Botschaften, brachte die Dinge schnell auf den Punkt. „Die Konkurrenz weiß jetzt, wo der FC Bayern steht“, sagte der Manager. Man konnte Hoeneß, der oft genug als PR-Stratege in eigener Sache auftritt, nach dem Abend nicht einmal einen neuerlichen Arroganz-Anfall vorwerfen. Machen die Bayern mit ihrem Tempofußball so weiter, müssen viele fürchten, so überrollt zu werden wie die Stuttgarter. Das gilt vorerst für die nationale Bühne, dort sind Meisterschaft und Pokal fest eingeplant. In der derzeitigen Form aber ist den Münchnern auch in der Champions League einiges zuzutrauen. Dort trifft die Mannschaft im März im Achtelfinale auf Sporting Lissabon.

Trainer Jürgen Klinsmann schien im Moment des Triumphes in Stuttgart zu wissen, was in den Köpfen der Konkurrenz vorgeht: „Jeder überlegt sich nun genau, wie er gegen uns bestehen kann.“ Das werten sie beim FC Bayern als positives Signal. Die Botschaft: Die anderen haben wahnsinnig Respekt oder gar Angst vor uns. „Beim Gegner spielt sich vieles im Kopf ab“, vermutet Klinsmann. „Dieses Spiel war ein Zeichen.“ Stürmer Luca Toni fügte hinzu: „Wir haben gezeigt, wie ernst wir es meinen.“

Alle die infrage kommenden Konkurrenten, der Tabellenführer in Hoffenheim, ebenso der erste Gegner der Rückrunde am Freitag, der Hamburger SV, sowie die in Leverkusen und Schalke, werden diesen Auftritt mit gemischten Gefühlen betrachtet haben. Ein „Spiel wie aus einem Guss“ nannte es Hoeneß und sprach vom Klassenunterschied: „Wir wussten, dass wir fit sind, aber dass die Mannschaft eine solche Demonstration abliefert, konnte keiner wissen. Ich bin begeistert.“ Selbst der beim Stand von 2:0 fast arrogant geschlenzte Elfmeter von Franck Ribery war da zu verkraften, obwohl Hoeneß schimpfte: „Das war Cirque du Soleil, das will ich nicht wieder sehen.“ Der Ball aber landete in den Armen von Torwart Jens Lehmann. „Ich wollte doch nur Spaß haben“, sagte Ribery. Klinsmanns Elf führte direkten Tempofußball vor, blieb taktisch diszipliniert. Der VfB stand vor unlösbaren Rätseln. „Wir haben einiges vor, das wissen die anderen jetzt. Wenn wir konzentriert sind, wir es schwer, an uns vorbeizuziehen“, sagte Klinsmann.

In Stuttgart tauchen nach dem Debakel Zweifel an Teamchef Markus Babbel auf, der Abgang von Torjäger Mario Gomez ist kaum noch zu verhindern. Und Jens Lehmann, der Torhüter, der doch eigentlich über eine Vertragsverlängerung nachdenken wollte, ging fuchsteufelswild auf seine Mitspieler los und warf ihnen unprofessionelles Verhalten vor: „Vor der Winterpause waren wir beim 2:2 gegen die Bayern in der Liga auf einem Niveau, jetzt war ein Klassenunterschied zu sehen. Man muss fragen, wer wie trainiert hat? Bei uns waren nicht immer alle dabei. Als Profi sollte man aber darauf achten, dass man nicht eben mal krank wird.“ Die Bayern-Fans indes hatten ihr Vergnügen, Lehmann zu ärgern. Sie sangen: „Lehmann, wir danken dir!“ und „Schießbude Lehmann.“

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