DFB-Pokal : Probleme mit links

Herthas Trainer Favre muss im Pokalspiel gegen Wuppertal improvisieren. Im linken Mittelfeld fehlen Lucio und dessen Vertreter Gilberto verletzungsbedingt. Daher bekommt der 20-jährige Chinedu Ede wohl seine Chance.

Stefan Hermanns
Ebert
Links wie rechts? Patrick Ebert hat schon im linken Mittelfeld gespielt. -Foto: ddp

Berlin - Es ist normalerweise kein besonders gutes Zeichen, wenn ein Fußballspieler nach der Halbzeitpause nicht mehr auf den Platz zurückkehrt. Bei Chinedu Ede, Profi bei Hertha BSC, war der Fall am Wochenende ein wenig anders gelagert. Im Oberligaspiel der Berliner U 23 gegen den Ludwigsfelder FC wurde der 20-jährige nach der ersten Halbzeit ausgewechselt – allerdings nicht wegen defizitärer Leistung, sondern auf besonderen Wunsch von Herthas Cheftrainer Lucien Favre. Ede sollte Spielpraxis sammeln für das DFB-Pokalspiel der Bundesligamannschaft heute beim Regionalligisten Wuppertaler SV; verausgaben sollte er sich dabei allerdings nicht. Ede gehört auf jeden Fall zu Herthas Kader für die Zweitrundenbegegnung des Pokalwettbewerbs.

Im Grunde kann Ede gar nichts dafür, dass er sich für die Reise ins Bergische Land empfohlen hat; er verfügt einfach über eine Qualität, die bei Hertha derzeit ein wenig unterentwickelt ist: Chinedu Ede ist Linksfuß, und daran mangelt es den Berlinern im Moment. Gegen Wuppertal fällt neben der Erstbesetzung Lucio auch der bisherige Vertreter Gilberto aus. Dessen Verletzung hat sich zwar nur als leichte Zerrung herausgestellt und nicht als Muskelfaserriss, für das Spiel in Wuppertal reicht es trotzdem nicht. „Wir haben echte Hoffnung, dass er am Samstag wieder dabei ist“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Am Samstag spielt Hertha beim Tabellenzweiten Hamburger SV, da wird Gilberto dringender gebraucht als gegen den Tabellenzweiten der Regionalliga Nord.
    
So dürfen sie bei Hertha natürlich nicht denken nach den trüben Erfahrungen, die sie im Pokal mit Drittligisten, mit Kiel, Braunschweig und St. Pauli, schon gemacht haben. „Wir müssen hundertprozentig sein“, sagt Favre. „Ich bin sicher, wir werden leiden.“ Das Leiden aber soll sich ausschließlich auf das Spiel beschränken und auf keinen Fall das Resultat betreffen. Allerdings droht auch Marko Pantelic, Herthas bester Stürmer, auszufallen; zudem ist Solomon Okoronkwo nach seiner Angina wohl noch nicht gerüstet für einen intensiven Pokalkampf.

Improvisieren muss Favre auf jeden Fall bei der Besetzung im linken Mittelfeld. Ede habe gegen Ludwigsfelde gut gespielt, sagt Herthas Trainer, „aber bei solchen Gegnern ist es schwierig, etwas zu sagen“. Für die Profis ist Ede in dieser Saison erst einmal zum Einsatz gekommen: Am zweiten Spieltag, gegen Stuttgart, wurde er in der Schlussminute eingewechselt. Aller Wahrscheinlichkeit wird Ede auch gegen Wuppertal nicht in der Startelf stehen. Er ist eher Stürmer als Mittelfeldspieler, er ist schnell und bietet sich daher vor allem für Kontersituationen an. Gegen einen Drittligisten aber ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Hertha mit aller Macht in die Defensive gedrängt werden wird.

Und wer sagt eigentlich, dass die Position im linken Mittelfeld unbedingt von einem Linksfuß bespielt werden muss? „Es ist nicht wichtig, ob es ein Links- oder ein Rechtsfuß ist“, sagt Favre. Am Samstag, gegen Bochum, wechselte er für den verletzten Gilberto den Polen Lukasz Piszczek ein, einen Rechtsfuß. „Ich habe in Polen ein halbes Jahr auf dieser Position gespielt“, sagt Piszczek. Favre hat es am ersten Spieltag in Frankfurt mit Christian Müller probiert, der allerdings nicht besonders glänzen konnte und außerdem verletzt ist. Gegen Cottbus besetzte der Schweizer das linke Mittelfeld nach der Pause mit Patrick Ebert. Der U-21-Nationalspieler verfügt über eine gute Technik, er kann von der linken Seite nach innen ziehen und mit rechts den Abschluss suchen, so wie es zum Beispiel auch Bastian Schweinsteiger in der Nationalmannschaft tut.

Sollte sich Favre für diese Variante entscheiden, bliebe die Frage, wer Ebert auf der rechten Seite ersetzen soll. Fabian Lustenberger käme dafür infrage. Die Verpflichtung des 19 Jahre alten Schweizers, der bisher erst drei Kurzeinsätze für Herthas Profimannschaft bestritten hat, ist von den Berlinern immer als Investition in die Zukunft verkauft worden. „Die Basisqualität bei ihm stimmt“, sagt Lucien Favre. „Keine Angst. Er kommt.“ Vielleicht schon heute in Wuppertal.  

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