Sport : DFB-Pokal: Und dann lange nichts

Benedikt Voigt

Wer in diesen Tagen etwas über Pokalwettbewerbe wissen will, sollte vielleicht in Schönberg nachfragen. Dies ist ein Ort mit 4023 Einwohnern im Landkreis Nordwestmecklenburg. Wie eine Boulevardzeitung herausgefunden hat, ist Schönberg bekannt für seinen Wickelbraten mit Pflaumen und Äpfeln. "Hast Du schon mal Wickelbraten gegessen?", fragt Heiko Tegge im Vereinsheim des FC Schönberg seinen Nachbarn, "ich auch nicht." Doch um Wickelbraten geht es an diesem Wochenende in Schönberg wirklich nicht, alles dreht sich um den FC Bayern München, der zum DFB-Pokalspiel der ersten Hauptrunde anreist. Weshalb sich seit Tagen schon Fotografen und Fernsehteams in der kleinen Gemeinde vor Lübeck tummeln, die wieder und wieder das Ortsschild filmen. "Das Pokalspiel ist das größte Ereignis in Schönberg", erklärt Tegge, "seit ..." Der Kotrainer überlegt, bis ihm schließlich etwas Vergleichbares einfällt: "Seit dem Mauerfall."

So viel lässt sich also festhalten: So ein Pokalspiel ist in der Provinz ein bedeutsames Ereignis. "Der Pokalwettbewerb lebt vom Quervergleich zwischen Amateuren und Profivereinen", sagt Michael Novak, Pressesprecher des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Aus diesem Grund gab der DFB den Modus der vergangenen Saison wieder auf, als die Vereine der Ersten Liga erst in der zweiten oder dritten Runde in den Wettbewerb einstiegen. Sogar Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht ein: "Je früher es zu den Partien der Profis gegen die Amateure kommt, um so schöner ist es für sie - trotz der Mehrbelastung für uns." Auch die Liebe der Fans zum Pokal ist ungebrochen, wie das ständig ausverkaufte Endspiel in Berlin beweist. "Der Pokal ist gesund", findet Novak.

Vielleicht aber sollte man bei dieser Frage auch in andere Länder blicken. Nach Spanien zum Beispiel, wo der FC Barcelona im April zum Halbfinal-Rückspiel im Pokal gegen Atletico Madrid nicht mehr antrat. Der Klub wollte damit gegen die Terminflut für seine Spieler demonstrieren. Es muss jedoch auch erwähnt werden, dass Barcelona das Hinspiel 0:3 verloren hatte. Manchester United verzichtete in der vergangenen Saison sogar auf die Teilnahme am FA-Cup, dem traditionsreichsten Pokalwettbewerb. Seit 1872 wird diese Trophäe ausgespielt. Auch hier war die Terminflut der Grund zur Absage, Manchester war bei der Klub-Weltmeisterschaft beschäftigt. Die Pokal-Diskussion heizte Arsenals Trainer Arsene Wenger noch an: "Erst kommt für mich die Meisterschaft, dann die Champions League - und dann ganz lange nichts."

Es sind Klubs wie Barcelona, Manchester oder Arsenal, für die der Pokal an Bedeutung verloren hat. Diese Vereine sind in der Champions League und Meisterschaft in der Regel bis zum Saisonschluss beschäftigt und verdienen in diesen Wettbewerben ihr Geld. Zweieinhalb Millionen sind in dieser Saison im DFB-Pokal zu holen. Das ist ein guter Einnahmeposten für Vereine wie Werder Bremen oder VfB Stuttgart. Für den FC Bayern aber, der inzwischen über 200 Millionen Mark Umsatz pro Jahr macht, nimmt sich diese Summe nicht mehr ganz so bedeutsam aus. Auch stieg durch die Ausweitung der Champions League die Anzahl der Spiele für die teilnehmenden Teams auf maximal 17 an. Im Vorfeld des Pokalfinales der vergangenen Saison drohte Bayern-Manager Uli Hoeneß, nur mit der "B-Elf" zu erscheinen. Das Finale lag zwischen den beiden Halbfinalspielen in der Champions League gegen Real Madrid. Der Pokal störte.

Es kam letztlich doch anders. Bayern schied in der Champions League aus und holte sich den Pokal - mit der besten Mannschaft. Einen Vorteil hat der Wettbewerb nämlich immer noch. "Man kann in wenigen Spielen einen Titel holen und sich für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren", erklärt Novak. Wie sehr sich aber der FC Bayern, FC Barcelona oder Manchester United mit den nationalen Pokalwettbewerben identifizieren, hängt auch von der Entwicklungen der Champions League ab und wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Vielleicht auch schon in Schönberg.

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