DFB-Präsident Zwanziger : „Frauenfußball braucht mehr Professionalität“

DFB-Präsident Zwanziger über fällige Änderungen im Frauenfußball, Unterstützung durch die Männerklubs und Medienarbeit.

Theo Zwanziger
DFB-Präsident Theo Zwanziger. -Foto: ddp

Herr Zwanziger, nach dem WM-Sieg der deutschen Mannschaft 2003 glaubten kühne Optimisten, dass der Frauenfußball in der Publikumsgunst nah zu den männlichen Kollegen aufschließen könne. Vier Jahre später, vor der Weltmeisterschaft in China, sieht die Realität anders aus.

Man darf nie die Relationen zum Männerfußball vergessen: Bis 1970 war Frauenfußball verboten. Frauenfußball hat also erst 37 Jahre Entwicklung hinter sich, während der Männerfußball im DFB schon 107 Jahre gespielt wird.

Sind Sie also zufrieden mit der Entwicklung?

Die Breitenwirkung des WM-Siegs 2003 war gut. Unser Bestreben, die Basis zu verbreitern und die Vereine für Mädchenfußball zu öffnen, war sehr, sehr erfolgreich. In der leistungsbezogenen Spitze sieht das hingegen noch etwas anders aus: Dort gibt es eine Lücke hinter dem 1. FFC Frankfurt, Turbine Potsdam und dem FCR Duisburg. Die Frauenfußball-Bundesliga muss einfach spannender werden.

Nun steigen klassische Männerfußball-Marken wie Werder Bremen oder der FC Schalke 04 mit größerem Engagement in den Frauenfußball ein. Droht den reinen Frauenklubs das Ende?

Eine Gefahr für die klassischen Frauenklubs sehe ich nicht. Der 1. FFC Frankfurt ist beispielsweise gesellschaftlich sehr tief in Frankfurt verankert. Andernorts ist das ähnlich. Diese Klubs werden ihren eigenen Weg gehen. Ich hoffe aber in der Bundesliga auf eine gesunde Mischung aus reinen Frauenfußball-Vereinen wie Frankfurt, Potsdam oder Duisburg und Teams, die von den klassischen Männerklubs gefördert werden. Das würde die Leistungsdichte verbessern und die Attraktivität der Liga weiter erhöhen.

Was können die Männerklubs und der DFB für den Frauenfußball tun?

Im Frauenfußball ist die Zeit reif für professionellere Strukturen. Ehrenamtler haben hier enorm viel auf die Beine gestellt, jetzt brauchen wir beispielsweise in der Medienarbeit professionelle Kräfte. Der DFB unterstützt die Frauen-Bundesligisten beispielsweise mit einem Mitarbeiter, der aus dem WM-Gewinn kostenlos zur Verfügung gestellt wird.

Was soll diese Medienarbeit bringen?

Wir brauchen regelmäßigere Berichterstattung über die Bundesliga. Es muss jede Woche etwas zu lesen sein über die Liga und außerdem müssen die Spielerinnen bekannter und für die Medien interessanter dargestellt werden. Derzeit hat von den aktuellen Nationalspielerinnen Birgit Prinz den größten Bekanntheitsgrad und jüngere Nationalspielerinnen sind nicht so populär. Daran müssen wir etwas ändern.

Sie selbst sind ein großer Freund des Frauenfußballs. Was können Sie persönlich tun neben Ihren häufigen Spielbesuchen?

Ich setze mich beispielsweise ein, indem ich bei Werder Bremen mal nachgehakt habe: „Wäre Frauenfußball für Euch nicht eine wichtige Sache, um Mitglieder und Fans an den Klub zu binden?“

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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