Sport : DFB streitet endlich wieder

Berti Vogts als Personalie nicht durchsetzbar?

Robert Ide

Berlin - Der Plan der Fußballfunktionäre ist simpel: Bis zum Konföderationen-Pokal im Juni, der Generalprobe für die WM 2006 in Deutschland, sollen alle internen Querelen beendet sein. Der Schiedsrichterskandal soll mit dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der kommenden Woche vorläufig abgeschlossen werden, die Debatte über die ungeliebte Doppelspitze hat es trotz mancher Versuche nicht auf die Tagesordnung des Verbandstreffens geschafft. Sogar der Ärger darüber, dass nur ein Drittel der WM-Eintrittskarten an die Fans gehen, konnte in Grenzen gehalten werden. Doch ganz kann sich der größte Verband der Welt nicht von selbst ausgelösten Ärgernissen befreien.

Am Dienstag wurden die Nachricht publik, im DFB-Präsidium gebe es keine Mehrheit für Berti Vogts, der nach dem Willen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Nachwuchsarbeit als Technischer Direktor koordinieren soll. Danach war die Ruhe in der DFB-Zentrale in Frankfurt am Main wieder einmal gestört. „Hier klingelt andauernd das Telefon“, beschwerte sich DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Offiziell ist das Thema derzeit nicht existent. Erst nach dem Konföderationen-Pokal soll sich das DFB-Präsidium mit Vogts beschäftigen, so sieht es ein interner Zeitplan vor. Zwanziger soll mit DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ein Stellenprofil vorlegen und einen Personalvorschlag machen. „Bisher haben wir darüber nicht im Präsidium diskutiert“, sagt Ligachef Werner Hackmann. Dennoch kann er sich vorstellen, dass „Herr Vogts nicht bei jedem auf ungeteilte Begeisterung stößt“. Als Bundestrainer hatte Vogts mehrmals die Nachwuchsarbeit kritisiert und sich damit in Frankfurt nicht nur Freunde gemacht.

Die Durchsetzung von Vogts ist für Klinsmann und seinen Manager Oliver Bierhoff allerdings eine Prestigefrage – schließlich war es Vogts, der mitten in der chaotischen Bundestrainer-Suche im vergangenen Sommer Klinsmann ins Gespräch brachte. Bislang hat der DFB Klinsmann nach dessen Verpflichtung keinen Wunsch abgeschlagen. Im Hinblick auf den angestrebten Titelgewinn 2006 wurde ihm der Austausch des Torwarttrainers ebenso bewilligt wie das WM-Trainingsquartier in Berlin. Im Hinblick auf Vogts schränkt Zwanziger ein: „Die Frage der Neueinstellung eines Technischen Direktors geht über 2006 hinaus.“ Auf eine frühzeitige Personaldiskussion will sich Zwanziger, der laut „Bild“ mit Schmidt und WM-Organisationschef Franz Beckenbauer zu den einzigen Befürwortern von Vogts zählen soll, nicht einlassen. „Es ist egal, ob der Kandidat Vogts oder X oder Y heißt“, sagt der DFB-Chef: „Die Frage ist, was er macht.“

Doch wie so oft sind die Sachfragen nicht von Personalfragen zu trennen. Zwar sehen im Verband viele einen Nachholbedarf beim Nachwuchs – etwa durch eine verbesserte Trainerausbildung. Hier könnte ein Technischer Direktor tatsächlich mehr leisten als DFB-Jugendkoordinator Michael Skibbe, der auch noch die Junioren-Nationalmannschaft zu betreuen hat. Doch Skibbe fühlt sich zu Unrecht angegriffen, vor allem von Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, der die Jugendarbeit als mangelhaft gerügt hatte. „Im Nachwuchsbereich scheint sich Oliver Bierhoff nicht genügend auszukennen“, blaffte Skibbe im „Kicker“ zurück. Seitdem hat der deutsche Fußball wieder ein Thema, über das er sich streiten kann.

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