Sport : Dicke, dünne Luft

Kritik aus Südamerika an Blatters Plänen

Zürich - Fußballturniere in Zürich machen keine Probleme. Selbst wenn sie hoch über der Stadt ausgetragen werden wie am Dienstag zur Eröffnung der neuen Fifa-Zentrale. Der Zürichberg liegt 450 Meter über dem Meeresspiegel und damit mehr als 2000 Meter unter der Marke, die derzeit beim Fifa-Kongress Unruhe verursacht. Nach dem Willen von Fifa-Präsident Joseph Blatter dürfen Länderspiele künftig nicht in über 2500 Metern Höhe stattfinden. „Spiele in höheren Städten sind weder fair noch gesund“, verfügte Blatter und berief sich auf ein medizinisches Gutachten.

Blatter ahnte zwar bei der Vorstellung des Plans, dass er „Irritationen in Lateinamerika auslösen könnte“. Mit einem derart geballten politischen Protest dürfte er allerdings nicht gerechnet haben. Protestnoten aus Bolivien, Peru und Kolumbien platzten am Dienstag in die Feierstimmung auf dem Zürichberg. In Bolivien dürfte etwa in den Städten Cochabamba (2570 Meter über dem Meeresspiegel), Sucre (2860 Meter), Oruro (3966 Meter) und Potosi (4040 Meter) nicht mehr um WM-Qualifikationspunkte gespielt werden. Auch die dünne Höhenluft von La Paz (3665 Meter) würde den Brasilianern nicht mehr wie so oft in der Vergangenheit zu schaffen machen. Boliviens Staatspräsident Morales rief prompt sein Kabinett zusammen. „Das ist eine Diskriminierung“, wurde Morales zitiert. Eine Abordnung der bolivianischen Regierung will umgehend nach Zürich reisen.

Auch auf dem Berg, auf dem die Fifa fortan residiert, sammelte sich der Widerstand. „Das ist doch eine Idee von Brasilien und Argentinien, da wette ich drauf“, wütete der peruanische Fußball-Funktionär Silva am Dienstag. In Peru wäre Cusco (3416 Meter) vom Spielverbot betroffen, in Kolumbien die Hauptstadt Bogota (2640 Meter). Die kleineren Fußballländer in Südamerika sagen der Fifa schon seit Längerem eine überzogene Brasilien-Freundlichkeit nach. Gerade erst hat Blatter Brasilien als ersten Kandidaten für die WM 2016 benannt. Der Stimmen dieses wichtigen Fußballlandes darf er sich bei seiner Wiederwahl am Donnerstag schon mal sicher sein. ide

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