Sport : Die Abwehr steht

Neues vom Wettskandal: Der Chef des Café King erhält Haftverschonung, und ein Schiedsrichter will gegen den DFB vorgehen

Tanja Buntrock,Robert Ide

Berlin - Die Aufarbeitung des Wettskandals bereitet der Justiz und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiterhin Probleme. Einer der mutmaßlichen Hintermänner manipulierter Fußballspiele steht kurz davor, aus der Untersuchungshaft freigelassen zu werden. Und ein der Unsportlichkeit bezichtigter Schiedsrichter will sich juristisch gegen Strafmaßnahmen des Fußballverbandes wehren.

Eine Überraschung gab es am Dienstag bei einem Haftprüfungstermin für Milan S., einen der Geschäftsführer des Berliner Café King. Dabei ordnete die Ermittlungsrichterin am Amtsgericht Tiergarten Haftverschonung an. Vorerst muss Milan S. aber weiter im Gefängnis bleiben. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde gegen den Beschluss eingelegt.

Milan S. war Ende Januar bei einer Razzia im Café King festgenommen worden, nachdem der frühere Schiedsrichter Robert Hoyzer Manipulationen zugegeben und Milan S. und seine Brüder der Anstiftung beschuldigt hatte. Die Justiz nahm Milan S. und zwei seiner Brüder wegen des Verdachts des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs fest, Ermittler sprachen sogar vom Vorwurf der Geldwäsche mit erzielten Wettgewinnen. Milan S. hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Wann über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Haftverschonung entschieden wird, steht noch nicht fest. „Das Landgericht wird zeitnah entscheiden“, sagte Justizsprecher Michael Grunwald dem Tagesspiegel. „Die Ermittlungsrichterin hat dem Antrag stattgegeben, dass Milan S. so lange in U-Haft bleibt.“ Zu den Gründen der Haftverschonung machte Grunwald keine Angaben.

Am Dienstag fand auch ein Haftprüfungstermin für den inhaftierten Schiedsrichter Dominik Marks statt. „Dort ist noch keine Entscheidung ergangen“, sagte Grunwald. Marks wird beschuldigt, über seinen Kollegen Hoyzer dem Mitbeschuldigten Ante S. angeboten zu haben, ein Spiel zu beeinflussen. Zudem soll er ein Darlehen von 7000 Euro angenommen haben, von dem er wusste, dass das Geld aus Wettgewinnen manipulierter Spiele stammte. Marks soll nach Hoyzers Angaben auch 30000 Euro für die Manipulation eines Zweitligaspiels erhalten haben. Marks bestreitet alles. Wann über seine Haft weiter beraten wird, ist offen.

Juristisch wehren will sich auch Schiedsrichter Torsten Koop. Er hatte sich Mitte Januar mit Marks und Hoyzer in einem Hotelzimmer in Frankfurt am Main getroffen. Dabei hatte Hoyzer „über irgendwelche Fußballspiele schwadroniert, die er mit Erfolg gepfiffen habe“, sagt Koops Anwalt Peter-Michael Diestel. Der DFB hatte später bemängelt, dass Koop seinen Kollegen Hoyzer, der damals offenbar von manipulierten Spielen berichtet hatte, nicht umgehend beim Verband angezeigt habe. Nach Diestels Darstellung droht Koop eine Sperre als Schiedsrichter von einem halben Jahr. „Der DFB-Kontrollausschuss erhebt blindwütig Anklage“, kritisierte Diestel. Koop will mit „allen ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmitteln“ gegen den DFB vorgehen. Das Ende des Wettskandals zögert sich damit noch weiter hinaus.

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