Sport : „Die andere Mannschaft wird gewinnen“

Der Wettskandal trifft nicht nur Deutschland – auch im griechischen Fußball wird ermittelt

Torsten Haselbauer[Athen]

Neulich hat der ehemalige Präsident des Fußballklubs AEK Athen seine Einstellung zu Schiedsrichtern preisgegeben. „Schiedsrichter sollte man prügeln oder schmieren“, sagte Alexis Kougias. Der schillernde Anwalt und Fußballfunktionär sprach damit aus, was in Griechenland ohnehin jeder ahnte, weil beinahe an jedem Spieltag der Nationalliga über ungewöhnliche Schiedsrichterentscheidungen gestritten wird. Durch den in Deutschland aufgedeckten Wettskandal um den 25 Jahre alten Referee Robert Hoyzer hat die Diskussion jedoch eine neue Dimension bekommen.

Der Betriebswirtschaftsstudent Hoyzer soll den ermittelnden Berliner Staatsanwälten den Hinweis gegeben haben, dass seine drei kroatischen „Geschäftspartner“, die Brüder S., auch in Griechenland ihren Wett- und Fußballmanipulationsgeschäften nachgingen. Auch trat unlängst im griechischen Fernsehen ein Zeuge auf, der sagte, dass die Brüder S. in der Hafenstadt Saloniki Kontaktleute gehabt hätten. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete, soll es sich dabei um zwei ehemalige Schiedsrichter, einen Trainer, einen Kotrainer, einen Manager und einen hohen Klubfunktionär aus Saloniki gehandelt haben. Zudem gibt es das ominöse Uefa-Cup-Spiel zwischen Panionios Athen und dem georgischen Team Dynamo Tiflis. Die Brüder S. schweigen bisher zu den Vorwürfen.

„Eine Mannschaft wird zur Halbzeit führen und eine andere das Spiel dennoch gewinnen“, soll der Hauptbeschuldigte Ante S. drei Tage vor dem Europapokalspiel im kleinen Kreis angekündigt haben. Genau das trat am 1. Dezember 2004 ein. Panionios lag zur Halbzeit 0:1 hinten, ehe die Griechen das Spiel wendeten und 5:2 gewannen. „Außergewöhnlich hohe Wetteinsätze“ auf diesen Verlauf stellten englische Wettanbieter fest und nahmen das Spiel drei Stunden vor dem Anpfiff aus dem Wettgeschäft.

Auch in Georgien soll die von Ante S. prophezeite Spielentwicklung einem erlauchten Kreise bekannt gewesen sein. In der ehemaligen Sowjetrepublik sind Zocker aufgefallen, die enorme Geldsummen auf die Torabfolge im Athener Stadion Nea Smyrni setzten. Bereits unmittelbar nach dem Schlusspfiff des Matches wurde in Athen offen über ein „verschobenes Spiel“ spekuliert. Der griechische Oberstaatsanwalt Kostas Mouzakitis nahm Ermittlungen auf, die bis heute eher schleppend verlaufen. Durch den Fall Hoyzer wurde das Verfahren für griechische Verhältnisse deutlich beschleunigt.

Vor zwei Wochen reiste der österreichische Uefa-Ermittler Gerhard Kapl nach Athen und vernahm im Flughafenhotel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in Absprache mit der griechischen Staatsanwaltschaft sechs Spieler von Panionios, einen Manager und einen Trainer. Außerdem wurde der rumänische Leiter des Spiels, Alexandru Dan Tudor, von Uefa-Offiziellen vernommen. Ergebnisse sind nicht bekannt. Die Panionios-Verantwortlichen sprechen von einer „üblen Hetzjagd der griechischen und internationalen Medien“.

Griechenland hat damit schneller, als es dem kleinen Fußballland lieb ist, wieder einmal einen Fußballskandal. Dabei schien nach dem Gewinn der Europameisterschaft im vergangenen Jahr ein wenig Ruhe eingekehrt zu sein. Griechenland möchte sich sogar um die EM im Jahr 2012 bewerben. Der neue, konservative griechische Sportminister Giorgos Orfanos versprach im vergangenen Jahr den „Augias-Stall Nationalliga“ zu säubern. Er wechselte korrupte Funktionäre des Fußballverbandes und des Verbandes der griechischen Profivereine aus.

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