DIE ANDEREN … : Warum die gewinnen

Mathias Klappenbach

Sicher ist er der Kapitän, und es ist auf den ersten Blick verständlich, dass halb ITALIEN an Hexenverbrennung denkt wegen jener bekannten Wahrsagerin, die vorhergesagt hatte, dass ein ganz wichtiger Spieler ausfallen werde. Doch wenn man sich die Leistungen von Fabio Cannavaro in dieser Saison bei Real Madrid ansieht, trifft sein Ausfall die Italiener gar nicht mal so hart. Das nahezu perfekt funktionierende Weltmeisterteam ist im Kern noch zusammen, schon deshalb kann es auch Europameister werden.

Gleiches könnte man auch über FRANKREICH sagen. Thierry Henry, Patrick Vieira und Lilian Thuram waren schon dabei, als die Franzosen erst Weltmeister und dann Europameister wurden. Das war aber 1998 und 2000. Trainer Raymond Domenech hat eine gute Mischung aus alten Helden und neuen Spielern gefunden, in der Karim Benzema statt David Trezeguet stürmt – gute Voraussetzungen.

Mit Italien und Frankreich in einer Gruppe sind die NIEDERLANDE. Sie haben eine Chance, weil man nach den Vorzeichen auf eine Europameisterschaft des Offensivfußballs hoffen darf – einer Disziplin, in der die Holländer auf jeden Fall zu den Besten zählen.

Kommt in dieser Gruppe das starke Kollektiv aus RUMÄNIEN weiter, ist es schon im Viertelfinale gefühlter Europameister. Die drei Siege bis zum Titel sind dann das kleinere Problem.

Einen ähnlichen Effekt erhoffen sich natürlich auch die Gastgeber ÖSTERREICH und SCHWEIZ. Etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig.

Die einzige Mannschaft, die keinen noch so weit hergeholten Grund für den Titelgewinn vorbringen kann, ist SCHWEDEN. Nach den ehernen Gesetzen des Außenseitertums ist natürlich das ihre Chance – ähnlich groß wie die des Titelverteidigers GRIECHENLAND. Immerhin könnte Otto Rehhagel dann beim Jubeln den Weltrekord im Glühbirnenwechseln brechen.

POLEN wird Europameister, weil man sonst verpassen würde, welche Analogien zum sportlichen Triumph die polnische Presse verwenden würde.

Sportlich dem Titel näher darf sich PORTUGAL fühlen. Großartige Einzelkönner in einer eingespielten Mannschaft mit Leuten auf der Ersatzbank, die wie Nani auch als Joker zum Star werden könnten – so holt man Titel. Geschafft haben das die Portugiesen aber noch nie.

Die TÜRKEI auch nicht. Die ist besonders motiviert, wenn es gegen die Schweiz geht, gegen die es nach dem Ausscheiden in der WM-Qualifikation 2006 die unvergessene Massenschlägerei gab. Doch die Türken sind nicht nur selbstbewusst, sie gehören auch zu den technisch besten Mannschaften.

Beides gilt in noch etwas stärkerer Form für KROATIEN. „Wir können Europameister werden“, sagt Trainer Slaven Bilic, ein realistischer Fachmann.

Das ist auch Karel Brückner, der zu Recht vorsichtig ist, wenn er über die Chancen von TSCHECHIEN spricht. Brückner hat ein starkes Team, das immer weiß, was es gerade tut. Europameister wird es aber nur, wenn es die einstudierte Kontrolle vergisst und sich selbst und damit auch den Gegner überrascht.

Ähnlich ist es bei RUSSLAND. Um ins Finale zu kommen, müssen sich die Russen zu ihrem ansehnlichen Passspiel noch etwas anderes überlegen.

Das Endspiel müsste, wenn es nach der Qualität der einzelnen Spieler ginge, eigentlich SPANIEN gewinnen. Allein das Mittelfeld mit Xavi, Iniesta und Fabregas hört sich schon sehr nach Europameister an. Mathias Klappenbach

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