Sport : Die Angst nimmt zu

Schumachers Dominanz erschüttert die Konkurrenz

Karin Sturm[Hockenheim]

„Die Formel 1 an sich hat kein Problem. Das Problem ist die Kombination Michael Schumacher und Ferrari. Wenn man die wegnimmt, haben wir doch tolle Rennen und eine tolle WM.“ Natürlich steckt auch viel Ironie in dem Satz vonAlexander Wurz, dem Testfahrer von McLaren-Mercedes. Aber nicht nur: Er enthält auch einen Kern Wahrheit. Denn hinter dem Weltmeister, der seinem elften Saisonsieg im zwölften Rennen entgegenfuhr, sahen die Zuschauer im Motodrom von Hockenheim eine Show mit vielen packenden Zweikämpfen und Überholmanövern. „Vier Teams sind derzeit praktisch absolut gleichwertig, da ist alles drin, da verschieben sich die Positionen nur von Rennen zu Rennen nach der Tagesform“, glaubt BMW-Motorsport -Direktor Mario Theissen. „Nur die Kombination Schumacher und Ferrari ist halt immer noch einen Schritt voraus.“

Und dann dominiert eben im Gesamteindruck nach außen trotzdem Langeweile. Vor allem, wenn wie in Hockenheim ausgerechnet bei den Piloten, die den Weltmeister mal wirklich angreifen könnten, prompt etwas schief geht. Kimi Räikkönen bewies, dass er mit dem neuen McLaren-Mercedes wirklich mithalten kann – bis an seinem Fahrzeug der Heckflügel brach und wegflog. Und Jenson Button im BAR-Honda trumpfte mit einer faszinierenden Aufholjagd auf, nachdem er nach seinem Motorschaden am Freitag von Platz 13 aus hatte starten müssen. „Ich glaube, beide Fahrer hätte ich in diesem Rennen nur schwer besiegen können“, sagte sogar Schumacher. So freilich konnte der Weltmeister zumindest zeitweise wieder einmal sein Auto in aller Seelenruhe ins Ziel fahren, „ich habe schon Phasen gehabt, in denen ich das Material geschont habe.“ Auch deshalb kam er zum 50. Mal in Folge ohne technischen Defekt ins Ziel. Da applaudierten sogar die Rivalen. Aber ihr Tenor war auch: Wenn man nur selten wirklich gefordert wird, dann ist es natürlich auch leichter, keine Defekte zu haben. Denn die passieren nun mal vor allem, wenn man an Grenzen gehen muss.

Auch wenn man gerade bei McLaren-Mercedes und auch bei BAR-Honda hofft, die Siegesserie von Schumacher in diesem Jahr auf jeden Fall noch beenden zu können – was bei sehr vielen unausgesprochen bleibt, ist die Sorge vor der Zukunft. Denn es spricht viel dafür, dass die Langeweile im Kampf um Platz eins weitergeht. Der derzeit beste Fahrer ist im stärksten Team, das in den vergangenen Jahren seine politische Macht sehr geschickt einsetzte. Stichworte: Brems- und Differentialentwicklungs-Verbote für McLaren 1998 und 2000, Beryllium-Verbot für die Motoren 2000, Windabweiser-Affäre 1999 in Malaysia, Reifenregel-Änderung 2003. Und Ferrari setzt diese Macht weiterhin ein. Es gibt ja genügend Hinweise auf diese Lobby-Arbeit. Max Mosley, der Präsident des Motorsport-Weltverbands Fia, spricht sich mit Ferrari-Chef Jean Todt ab, bevor er Vorschläge für ein neues Reglement macht, so dass Ferrari schon wieder einen Zeitvorteil hat. Zudem bezeichnet Mosley den Ferrari-Teamchef Todt als „Einzigen in der Formel 1, der über den Tellerrand hinausblickt“. Dabei verhindert allein Ferrari die seit Jahren dringend nötigen Kostensparmaßnahmen wie etwa drastische Testeinschränkungen. Die Konkurrenten sehen diese Ferrari-Politik mit Argwohn, weil sie es so doppelt schwer haben aufzuschließen.

Und die Veranstalter haben Sorgen, weil weniger Zuschauer kommen. In Hockenheim waren es offiziell 101 000 – doch auf den Tribünen klafften Lücken. Vielen Fans ist die Show allein hinter Schumacher zu wenig. Sie wollen unterschiedliche Sieger. Die fanatischen Schumacher-Fans waren leicht auszumachen in Hockenheim. Es waren diejenigen, die begeistert aufsprangen und jubelten, als Kimi Räikkönen mit voller Wucht in einen Reifenstapel prallte.

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