Sport : Die Angst spielt mit

Warum die iranische Basketball-Nationalmannschaft bei ihrem Spiel gegen die deutsche A2-Auswahl in Nürnberg die Farbe Grün meidet

Jule Krüger[Nürnberg]

Vielleicht hat Trainer Veselin Matic recht und seine Spieler sind tatsächlich weit weg vom Iran und damit auch weit weg von der Politik. Doch die Politik ist nicht weit weg von seinem iranischen Team. Einsam sitzt sie auf der Tribüne, im grünen Polo-Hemd, und ist ein bisschen enttäuscht. „Ich dachte, es kommen mehr“, sagt der Mann mit den traurigen Augen. Mehr Exil-Iraner, die ein Basketball-Länderspiel in Nürnberg zwischen der A2-Mannschaft Deutschlands und dem Iran als Bühne nutzen, um ihre Solidarität mit den protestierenden Menschen im Iran zu demonstrieren. Doch keiner schwenkt Free-Iran-Plakate, ungewohnt ist lediglich der freundliche Applaus, mit dem die rund 300 Zuschauer in der Halle die Punkte der Gästemannschaft bedenken.

Eine Geste, die nicht schwer fällt, zu deutlich sind die sportlichen Unterschiede. Erst am Freitag ist die Mannschaft aus Teheran in Deutschland eingetroffen, gegen die deutsche A2-Auswahl von Bundestrainer Dirk Bauermann ist sie chancenlos (44:78). Allerdings sind auch der NBA-Spieler Hamed Haddadi sowie zwei verletzte Stammspieler nicht mitgefahren auf die Reise, die nach einem weiteren Spiel gegen die deutsche A2-Mannschaft nach Katar und Spanien führt. Das Team ist auf Vorbereitungstournee für die Asienmeisterschaft im August in China, während daheim in Teheran eventuell Freunde, Bekannte, Verwandte für Neuwahlen demonstrieren und damit ihr Leben riskieren. Das macht die Spieler zu gefragten Interviewpartnern, doch nicht nur die Nachrichtenmagazine holen sich einen Korb. Keine Fragen zur politischen Situation, bitte.

Reza Taheri jedoch darf reden. Vor zwölf Jahren flüchtete er nach Deutschland, als „Einigkeit und Recht und Freiheit“ erklingt, legt er die Hand aufs Herz – eine Selbstverständlichkeit für den eingebürgerten Exil-Iraner, der heute in Paderborn lebt. Offiziell gehört er zum iranischen Begleittross, fungiert als Kontaktmann in Deutschland – und traut sich als Einziger, das grüne Polo-Shirt zu tragen, das eigentlich zur Team-Garderobe gehört. Der Rest der Entourage, auch der Trainer, trägt dunkelblau.

Grün zu tragen kann in diesen Tagen gefährlich werden für einen Iraner, denn es gilt als Farbe des unterlegenen Präsidentschaftsanwärters Mir-Hossein Mussawi, der die Protestwelle im Iran mit seiner Forderung nach Neuwahlen weiterhin unterstützt. Als die iranischen Fußballer in der vergangenen Woche beim WM-Qualifikationsspiel mit grünen Schweißbändern aufliefen, wurden sie in der Heimat als Helden gefeiert (siehe Kasten).

Wer eine ähnliche Aktion der iranischen Basketballer in Nürnberg erwartet hatte, wurde enttäuscht. Doch ihnen geht es wohl wie dem Zuschauer mit den traurigen Augen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er hat Angst, dass seinen Verwandten im Iran etwas passieren könnte. Und auf die Spieler passt ein regimetreuer Begleiter auf, der nach der Rückkehr einen entsprechenden Report verfassen wird. Keine Fragen zur Politik, bitte. Auch das ist schon Antwort genug.

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