Sport : Die Attraktion der Provinz

Seit Szymon Szewczyk für Braunschweig spielt, reisen die NBA-Scouts an – heute möchte der Pole erneut Alba besiegen

Benedikt Voigt

Berlin. Unlängst wollten zwei Spielerbeobachter ein Basketballspiel in Braunschweig sehen – und nahmen sich ein Hotelzimmer in Hannover. „Die dachten, Braunschweig wäre Provinz“, sagte Thomas Stille, der Geschäftsführer von TXU Energie Braunschweig und lacht. Die beiden Herren kamen aus der nordamerikanischen Profiliga NBA, wo man nicht unbedingt wissen muss, dass es auch in Braunschweig Hotels gibt. Sie hätten aber auch das Dutzend weiterer NBA-Scouts fragen können, die in dieser Saison vor ihnen in Braunschweig waren. „Bei uns geben sich die Agenten die Klinke in die Hand“, sagt Stille. Sie alle wollten nur einen sehen: Szymon Szewczyk.

Der 20-jährige Pole mit den blond gefärbten Haaren ist die Attraktion dieser Saison in Braunschweig. Der Power Forward wird inzwischen von den NBA-Klubs umworben und hat sich in die Liste für den NBA-Draft am 26. Juni eingetragen. „Ich habe immer geträumt, in der NBA zu spielen“, sagt Szewczyk, „und ich wünsche mir, dass dieser Traum wahr wird.“ Zunächst aber hat er den Wunsch, Alba Berlin heute in der Max-Schmeling-Halle (15 Uhr) zu bezwingen. „Berlin in den Play-offs zu Hause zu schlagen, ist fast eine unmögliche Mission“, sagt Szewczyk, der bei Braunschweigs 90:82-Heimsieg am Mittwoch mit 20 Punkten und 12 Rebounds auffälligster Spieler war. In der Best-of-five-Serie steht es gegenwärtig 1:1. Gewinnt Braunschweig, kann das Team bereits am kommenden Dienstag in der heimischen Halle ins Finale um die deutsche Meisterschaft einziehen. Mut macht dem Polen, dass gerade in seiner Heimat mit dem Seriensieger Wroclaw das passiert ist, was er mit Braunschweig auch vorhat: Den Meister rauswerfen.

Es war eine rasante Saison für den Sohn eines bekannten polnischen Basketball-Nationalspielers. „Er ist als unfertiger Spieler gekommen“, sagt Thomas Stille. Szewczyk hatte zuletzt beim polnischen Zweitligisten Starogard Gdanski gespielt. „Manche haben gesagt, dass sei ein Schritt zurück für mich gewesen“, sagt Szewczyk, „dafür ging es in dieser Saison zwei Schritte vorwärts.“ Die Milwaukee Bucks haben ihn sogar zum Probetraining eingeladen. Am Donnerstag holte er sich in der US-Botschaft in Berlin ein Visum für ein Jahr.

Thomas Stille würde es natürlich lieber sehen, wenn Szewczyk weiter in Braunschweig spielen würde. „Ich hoffe für ihn, dass es in diesem Jahr mit der NBA noch nicht klappt, er braucht für seine Entwicklung noch ein oder zwei Jahre.“ Szewczyks Anteil am Braunschweiger Erfolg beziffert er auf ein Achtel. Weil bei Braunschweig momentan exakt acht Profis spielen. „Er lebt vom Teamspiel,“ sagt Stille. Szewczyk weiß das. Wenn es mit der NBA nicht klappt, will er als Erstes in Braunschweig vorsprechen. „Erst dann kommen andere Klubs in Deutschland oder Europa in Frage.“

Auf den Rängen der Volkswagenhalle gibt es einen Slogan: „Braunschweig on Fire.“ Als er diesen erstmals sah, kam er auf die Idee sich in die blonden Haare noch zwei rote Strähnen zu machen. „Wie ein kleiner Teufel.“ Auch für das heutige Spiel möchte er seine Haarfarbe verändern. „Es wird eine Überraschung“, sagt Szewczyk. Alba Berlin wäre sicher froh, wenn es die einzige bliebe.

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