Sport : Die Aufstrebenden

In 18 Tagen durch die Liga (11) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind. Heute: VfL Wolfsburg

André Görke

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? In den Geschäftsetagen des Klubs wird Peter Pander gern als Manager vorgestellt. Das ist nett, trifft die Sache aber nicht ganz. Pander ist lediglich Verwalter. Entscheidungen treffen die Herren vom Volkswagen-Konzern. Denn: VW ist nicht nur Hauptsponsor, sondern auch Mehrheitseigner des VfL. Das VW-Netzwerk reicht von China bis nach Argentinien. Und davon profitiert dann der VfL Wolfsburg. Der Transfer von Andres D’Alessandro kam aufgrund der Kontakte von „VW Argentina“ zu Stande.

Was ist das Besondere? Während die Fußball-Branche jammert und spart, erhöht der Klub seinen Jahresetat mal eben um 8,5 Millionen auf 48 Millionen Euro. Image ist alles im neuen, spektakulären Wolfsburg. Vom 25. August bis 10. Oktober – zur Präsentation des neuen Golf 5 – werden sogar die Ortsschilder mit dem Namen „Golfsburg“ überklebt. Der VfL Wolfsburg macht diesen PR-Gag zum Glück nicht mit.

Was hat sich verbessert? Der Wirtschaftsstandort Wolfsburg entwickelt sich konsequent weiter. Erst war da die neue Architektur der Stadt, dann die Infrastruktur für den Verein (Volkswagen-Arena). Jetzt war die Mannschaft dran. Erstes Fazit: Auch sportlich hat sich der Klub verbessert.

Wie sicher ist der Trainer? Jürgen Röber, 49, hat einen sicheren Arbeitsplatz. Ihm wird von VW zugetraut, der Stadt in Europa auch sportlich einen guten Namen zu verpassen. Der Erfolg muss aber schnell zu erkennen sein, im Mittelfeld darf der Verein nicht spielen. Dass Stagnation Rückschritt bedeutet (gerade in Wolfsburg), weiß Röber aus seiner Zeit in Berlin.

Wie passen die Neuen? Mal sehen. Andres D’Alessandro absolviert am Samstag im UI-Cup sein erstes Spiel für den VfL. Der Argentinier soll im zentralen Mittelfeld spielen. Interessant ist die Frage, ob sich der 22-Jährige mit seiner Statur (1,74 Meter, 68 Kilo) durchsetzen kann. Simon Jentzsch, der für 2,75 Millionen Euro von 1860 München kam, ist schon deshalb eine Verstärkung, weil der VfL keinen Torhüter hatte (Reitmaier wurde in Rente geschickt). Stürmer Marko Topic (Energie Cottbus) hat im UI-Cup bereits ein Tor erzielt.

Wie wird gespielt? D’Alessandro ist im offensiv ausgerichteten System die Schlüsselfigur. Fraglich bleibt, ob der Verlust von Tobias Rau (Bayern München) im linken Mittelfeld kompensiert werden kann.

Wer sind die Stars? Neben D’Alessandro, der in Argentinien „El Cabezon“ (der Dickkopf) genannt wird und allein wegen der neun Millionen Euro Ablöse zum Star taugt, könnte Marko Topic in diese Rolle schlüpfen. Der Stürmer kann Fußball spielen, könnte Publikumsliebling werden. Allerdings verbot ihm VW, die Zunge herauszustrecken, wenn er ein Tor erzielt. Ein Kollege hat ihm einfach geraten, „stattdessen die Hose herunterzulassen“. VW fand das nicht witzig.

Was gibt das Stadion her? Im Dezember wurde das Stadion eingeweiht, es liegt nur zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, eingebettet in der Autostadt. Die Bedingungen sind hochmodern. Und wegen des geschlossenen Dachs können die Fans wunderbar Stimmung machen – es müssen nur genug Gästefans da sein. Denn das ist das Problem: Vom alten VfL Wolfsburg ist nichts übrig geblieben – bis auf die Fans.

Wie sind die Fans? Der VfL Wolfsburg ist der Klub der Landjugend. Und so normal ist auch die Stimmung im Stadion. Viele Menschen fahren lieber zu den Traditionsklubs Hannover 96 oder Eintracht Braunschweig. In Wolfsburg wächst ein neues Leverkusen heran.

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