Die Berliner vor dem Saisonstart : Ganz schön kompliziert bei Hertha BSC

Am Samstag startet Hertha BSC mit dem Heimspiel gegen Stuttgart in die neue Saison – mit welchem Ziel, das weiß Trainer Pal Dardai immer noch nicht.

Angespannt und zuversichtlich. Pal Dardai vor dem Saisonstart.
Angespannt und zuversichtlich. Pal Dardai vor dem Saisonstart.Foto: Hanschke/Reuters

Wenn Michael Preetz bei den turnusmäßigen Pressekonferenzen vor Pflichtspielen von Hertha BSC fehlt, löst das unter den anwesenden Journalisten in der Regel leichte Anspannung aus. Wo könnte er wohl sein, der Manager des Berliner Fußball-Bundesligisten? Mit welchem potenziellen Neuzugang verhandelt er gerade? Am gestrigen Donnerstag hielt sich die Aufgeregtheit trotz Preetz’ Abwesenheit in Grenzen. Herthas Manager fehlte aus gutem Grund: Er feierte seinen 50. Geburtstag und hatte sich dafür einen Tag Urlaub genehmigt. Wäre Preetz zugegen gewesen, hätte er vermutlich die Frage beantworten müssen, was er sich denn wünsche für sein neues Lebensjahr und die neue Saison, die am Samstag mit einem Heimspiel gegen den Aufsteiger VfB Stuttgart beginnt.

Dardai sagt, er brauche keine Hektik

Was sich Herthas Spieler wünschen, welche Ziele sie haben, sowohl individuell als auch mit dem Team, haben sie schon vor geraumer Zeit verschriftlicht. Trainer Pal Dardai hat in der vergangenen Woche verkündet, dass er das amtliche Endergebnis mit dem gemeinsamen Saisonziel vor dem Start gegen den VfB präsentieren werde; als er nun am Donnerstag erwartungsgemäß danach gefragt wurde, musste er zugeben, dass er schlecht vorbereitet sei. Die Auswertung durch Admir Hamzagic, den IT-Spezialisten in Dardais Trainerteam, und eine abschließende Beratung mit dem Mannschaftsrat stehen noch aus. „Ich brauche keine Hektik“, sagte Dardai. „Wir werden das vernünftig bewerten.“

Es könnte natürlich sein, dass die Sache sich auch deshalb etwas komplizierter gestaltet als gedacht, weil die ganze Saison für die Berliner deutlich komplizierter werden wird. Erstmals seit der Abstiegssaison 2009/10 startet Hertha wieder in drei Wettbewerben, die Belastung wird eine ungleich höhere sein – möglicherweise gehen die unterschiedlichen Erwartungen der Spieler daher stärker auseinander, als es in der Vergangenheit der Fall war. Unter Dardai hat es sich bewährt, dass zunächst jeder Spieler äußert, was ihm vorschwebt, sei es eine bestimmte Punktzahl oder Platzierung, und Hamzagic dann aus all den Einzelmeinungen einen Mittelwert ermittelt, der für die gesamte Mannschaft bindend ist. Im Winter hieß beispielsweise das Ziel: Wir wollen in den Europapokal. Das hat Hertha geschafft.

Nach Platz sieben vor einem Jahr und Platz sechs in diesem könnte man sich im Sinne einer steten Fortentwicklung nun natürlich auf Platz fünf verständigen. Aber so einfach liegen die Dinge eben nicht. Dardai sagt, er wolle Weihnachten in der Liga gut dastehen, was wohl heißt: mit verlässlichem Abstand zur Abstiegszone, und in Europa die nächste Runde erreichen. Der ungewohnten Situation in diesem Sommer begegnen Trainer und Spieler durchaus mit Respekt. Aus der Vergangenheit gibt es schließlich genügend Beispiele von Klubs, die ihre Teilnahme am Europapokal in der nationalen Liga mit der Verstrickung in den Abstiegskampf bezahlt haben.

Vor dem Reisestress hat Dardai Bammel

Dardai gibt zu, dass die Situation auch für ihn neu sei, deshalb unterhalte er sich jetzt häufiger mit Sportwissenschaftlern, wie sich die Belastung am besten steuern lasse. Seine Erfahrungen als Spieler aus dem vergangenen Jahrzehnt hält der Ungar nur für bedingt hilfreich. „Damals war das noch ein anderer Fußball“, sagt er. Das Spiel ist schneller und intensiver geworden, die Anforderungen an die Profis sind höher. „Für die Stammspieler wird das eine riesige Belastung.“

Vor allem vor dem Reisestress hat Dardai gehörigen Bammel, obwohl er die konkreten Auswirkungen derzeit noch gar nicht einschätzen kann. Wann es wohin geht, werden die Berliner erst am kommenden Freitag erfahren, wenn in Monaco (ab 13 Uhr) die Gegner für die Gruppenphase in der Europa League ausgelost werden. Einen Vorgeschmack aber haben die Berliner schon am Montag bekommen, respektive am frühen Dienstagmorgen. Nach dem Pokalspiel in Rostock waren die Spieler um vier wieder zu Hause – und dann müsse man erst noch in den Schlaf finden, sagte Dardai, der um diese Zeit normalerweise schon mindestens acht Tiefschlafphasen hinter sich hat. Als der Mannschaftsbus am frühen Dienstagmorgen aufs Vereinsgelände am Olympiastadion fuhr, hat Herthas Trainer zu seinem Assistenten Rainer Widmayer gesagt: „Das wird eine sehr lange Saison werden.“

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