Sport : Die Clowns vom Dienst

-

Stefan Hermanns über die Aufregung

von Bayer Leverkusen

Dem FußballBundesligisten Bayer 04 Leverkusen geht es im Moment gar nicht gut. Man braucht nur auf die Tabelle zu schauen, die den noch aktuellen Vizemeister als derzeitigen Drittletzten des Klassements ausweist. Muss man aber nicht. Es reicht auch, die Ohren aufzusperren und sich ein wenig umzuhören in Leverkusen. Nach der Klamotte um Udo Lattek tritt die sportliche Leitung nun mit einem neuen Programm auf, das der Erheiterung der Öffentlichkeit dient. Reiner Calmund, Bayers CvD (Clown vom Dienst), hat dem Bundesliga-Sender Sat 1 wegen seiner Berichterstattung in Ran Unseriosität vorgeworfen, und zwar hoch zehn. Das ist so, als würde man einen Pornostar der Polygamie bezichtigen.

„Wir werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen und diese Leute, wenn möglich, verklagen, dass ihnen was fliegen geht“, hat Calmund gesagt. „Jetzt hauen wir richtig auf den Putz.“ Uiuiuiui, das kann ja wieder lustig werden. Ran hatte Calmund gezeigt, wie er vor dem Spiel gegen Schalke wild gestikulierend auf Sportdirektor Jürgen Kohler eingeredet hatte, und aus diesen Bildern den Schluss gezogen, dass der Manager seinen Rücktritt angeboten habe. „Wir können uns nicht alles gefallen lassen“, droht Wolfgang Holzhäuser, Bayers Finanzgeschäftsführer. „Über die Profilsucht von Sat 1 muss gesprochen werden, dies ist ja nicht der erste Fall.“

Eben, Sat 1 hat Fußball längst zur Show gemacht, da passt die Wahrheit nicht immer ins Konzept. Der aktuelle Vorfall zeigt nur, dass die seriöse Berichterstattung nicht mehr weit von den albernen Einspielfilmchen entfernt ist, bei denen die Redaktion Fußballern fiktive Aussagen in den Mund legt. Vor zwei Monaten zum Beispiel hatte Ran den damaligen Leverkusener Trainer Klaus Toppmöller nach der Niederlage in Bochum schon so gut wie entlassen, obwohl sich keine einzige Aussage Calmunds in diese Richtung hatte deuten lassen.

Natürlich weiß inzwischen jeder, wie Ran arbeitet. Auch Bayer. Aber solange der Sender und seine Sendung das Produkt Fußball anständig, das heißt mit Gewinn für die Vereine, verkauft haben, hat sich in Leverkusen niemand weiter an dieser Form des unterhaltenden Journalismus gestört. Der aktuelle Vorfall sagt daher weniger über die Arbeitsweise von Sat 1 aus als über die Nervosität bei Bayer. Ein bisschen mehr Gelassenheit in diesen hektischen Zeiten könnte jedenfalls nicht schaden. Im nächsten Jahr haben die Leverkusener ohnehin nichts mehr mit Sat 1 zu tun. Die Spiele der Zweiten Liga werden vom DSF übertragen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben