Sport : Die Derby-Woche: Zurück zu altem Glanz

Oliver Heller

Kollektive Freude herrschte am Sonntag auf der Trabrennbahn Mariendorf, als Abano As in spielerischer Leichtigkeit das 105. Deutsche Traber-Derby gewann. Rund 20 000 Besucher wurden Zeuge einer Demonstration des 17:10 Favoriten. Der Triumph von Abano As passte ins Bild einer Rennwoche der Rekorde. Neben sportlichen Glanzleistungen verdient insbesondere die 22-prozentige Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr auf 7 863 000 Mark Beachtung. Allein am Sonntag flossen 2 784 000 Mark in die Kassen, was absolute Spitze für deutsche Trabrennbahnen darstellt.

Gewissheit herrscht nun am festen Willen aller Beteiligten, bundesweit die rund 15 Jahre währende Talfahrt im Wettgeschäft zu beenden. So sollen bis zum Jahr 2003 nach italienischem und französischem Vorbild mindestens 2000 Annahmestellen für Pferdewetten übers Land verstreut werden. Noch ist man hierzulande weit entfernt von italienischen Verhältnissen. Jeder Zweitliga-Fußballer ist bei uns bekannter als ein Ausnahme-Traber wie Abano As, und so wird es mit den Wettlokalen, so genannten Off-Track-Shops, längst nicht getan sein. Der zurzeit erfolgreichste Besitzer im nationalen Trabrenngeschehen, Michael Schröer, sagt: "Die Wettshops können nur Teil einer Vision sein, nicht aber die Vision selbst." Die Vision ist die Popularität des Trabrennsports in Deutschland. Es geht darum, regelmäßig Berichte vom Trabrennen im Fernsehen zu etablieren. Doch Dietmar Schott, der für das ARD-Frühstücksfernsehen live von der Derby-Woche berichtete, dämpft die Hoffnungen: "Wir haben nicht die geringste Lobby mehr, und es fehlt vorne und hinten am journalistischen Nachwuchs. Einige meiner Kollegen halten Heinz Wewering für einen jüdischen Feiertag." So erklärt es sich, dass die von der ARD zugesagte Übertragung des Derbys ausfallen musste, weil kurzfristig Rudi Völler als Sportschau-Gast gewonnen wurde.

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