Sport : Die deutschen Holländer

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Man muss ihm nicht nachtrauern, aber der Fußball, den die Holländer und Schweden in ihrem Viertelfinalspiel gezeigt haben, wäre wohl der gewesen, bei dem die deutsche Mannschaft hätte mithalten können. Rasenschach, vorher ausgetüftelt und dann exakt umgesetzt. Trainer lieben dergleichen, wenn aus lauter Respekt vor dem Gegner jedes Risiko vermieden wird. Aber wahrscheinlich nur Trainer.

Es ist allerdings ein horrender Preis, wenn man für diese verhaltene Spielweise aufs unkalkulierbare Elfmeterschießen hoffen muss. Oder sollten die Schweden wirklich ans Gesetz der Serie geglaubt haben, wonach Niederländer Elfmeterschießen nicht gewinnen können?

Sie können doch. Und sie können sogar auf Ästhetik verzichten, auf Spielfluss und Kombinationen. Niederländer, kühl wie sonst Deutsche – erstaunliche Wendungen bringt diese Europameisterschaft zu Tage. Emotionen kamen ja erst auf, als die Kinder der Spieler auf den Rasen durften. Overmars Filius weinte, mutmaßlich vor Glück, und der Sohnemann von Torwart van der Sar jubelte. Grund hat er ja, denn sein Vater hatte zum ersten Mal in einem Elfmeterschießen einen Ball gehalten.

Die Holländer können selber gewinnen. Ob sie auf diese Art allerdings ihre Fangemeinde erreichen und ihren Johan erweichen, ist eine ganz andere Frage. Die Fangemeinde verlangt traditionell mehr als erfolgreichen Minimalismus. Die hat doch bislang das Scheitern billigend in Kauf genommen, Hauptsache, dass schön gescheitert wurde. Und Johan Cruyff mäkelt auch aus Tradition. Es besteht also noch Hoffnung, dass die Niederländer zu sich selbst zurückfinden. Wäre ja noch schöner, dass die sich deutsch geben und am Ende noch Europameister werden.

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