Sport : Die Erfolgsdiät

Wie sich Daniela Reimer zu Silber fastete

Frank Bachner

Athen - Irgendein Helfer am Steg erzählte Daniela Reimer, dass sie seit drei Minuten Olympiazweite ist. Reimer selbst war noch viel zu erschöpft, um das mitzubekommen. Sie hatte zum Schluss nur noch gezogen, sie hatte darauf geachtet, dass sie und Claudia Blasberg im optimalen Rhythmus bleiben. Wo die Rumäninnen waren, die auch um Silber kämpften, das sah sie nicht mehr. Der Leichtgewichts-Doppelzweier Reimer/Blasberg fuhr noch einen kraftvollen Schlussspurt, und als sie dann alles begriffen hatte, sagte Daniela Reimer, das Gesicht voller Schweißperlen: „Das war das beste Rennen, das man sich vorstellen kann.“

Zumindest das beste Rennen, das sie sich vorstellen kann. Denn Silber bei den Olympischen Spielen, das ist der Höhepunkt des ungewöhnlichen Aufstiegs der Daniela Reimer. Im Frühjahr noch fuhr die Potsdamerin im Einer. Der ist bei den Leichtgewichts-Ruderern nicht olympisch. Und eigentlich war Daniela Reimer für dem Leichtgewichts-Doppelzweier auch gar nicht vorgesehen.

Bis der Weltcup in Posen kam. Claudia Blasberg sollte mit Marie-Louise Dräger aus Rostock das Boot fahren. Die beiden waren 2003 Weltmeister, sie galten auch als Favoriten für Olympia. Aber zweieinhalb Stunden vor dem Start in Posen wurde Dräger krank. Die Trainer gingen kurz alle Namen durch, dann war klar: Daniela Reimer muss in den Doppelzweier. Das Problem war nur, dass sie zwei Kilogramm zu schwer war. Im Zweier dürfen die Frauen zusammen nur 114 Kilogramm wiegen. Blasberg wog 57 Kilogramm, Reimer 59. Im Einer sind 59 Kilogramm erlaubt. Also hüllte sich Reimer in alle Trainingsanzüge, die sie tragen konnte und rannte durch die Gegend. 120 Minuten blieben, um zwei Kilogramm abzunehmen. Blasberg rannte mit. Am Ende hatte Reimer 1,5 Kilogramm abgekocht, Blasberg ein halbes. Das Team Blasberg/Reimer war geboren.

Und dieses Team blieb zur Überraschung der Beobachter auch nach dem Weltcup zusammen. Marie-Louise Dräger schaffte den Sprung ins Boot nicht mehr. Blasberg/Reimer gewannen den Weltcup in München, sie wurden in Luzern auf dem Rotsee Dritte. Nach Platz drei gab es noch einmal Diskussionen um die Besetzung des Boots. Dann entschied Bundestrainerin Jutta Lau: Es wird nichts mehr geändert.

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