Sport : Die Erinnerung als Motivationshilfe

Karsten Doneck

Manchmal reichen schon kleine Fingerzeige. Da können Fußballtrainer dann getrost ihre Psychologie-Nachschlagewerke im Schrank lassen. Sie brauchen nicht unter dem Stichwort "Motivation" nach Passendem für ihre Mannschaft zu suchen. Georgi Wassilew, der Übungsleiter des Zweitligisten 1. FC Union, ist in solch glücklicher Lage. Seine Mannschaft hat zwar eine sehr wichtige Aufgabe hinter sich, die bei Eintracht Frankfurt nämlich (2:2), und heute eine mindestens ebenso wichtige vor sich, das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld nämlich (15 Uhr, Stadion Alte Försterei), doch besonders anstacheln muss Wassilew seine Spieler nicht. Es genügte in beiden Fällen der Verweis auf die beiden Ergebnisse gegen die Kontrahenten aus der Hinrunde: 0:4 hat Union gegen Frankfurt verloren, anschließend 1:4 bei Arminia Bielefeld.

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de "Dieses Ergebnis aus Bielefeld ist eine große Herausforderung für uns", sagt Wassilew, "jetzt können wir die richtige Antwort geben." Der Aufsteiger Union war Mitte Oktober des vorigen Jahres, beginnend mit der Niederlage gegen Frankfurt, in eine kurze, aber recht heftige Krise gerutscht, blieb fünf Spiele in Folge ohne Sieg. Längst hat sich der Wind gedreht. Der 1. FC Union, der schon in seinem Aufstiegsjahr in der Regionalliga eine blendende Rückrunde hingelegt hat, ist seit dem 2:3 bei Spitzenreiter Hannover 96 in acht Spielen ungeschlagen geblieben. An der Alten Försterei reifen Aufstiegsträume. Langsam, aber stetig.

Nur vier Punkte trennen die Köpenicker von einem Aufstiegsplatz - und von der Bielefelder Arminia. Zwar kokettiert Union gerne damit, dass der Durchmarsch in die Bundesliga nie das Ziel gewesen sei, doch bereitet sich die Führung sehr ernsthaft "auf den Fall der Fälle", so Präsident Heiner Bertram, vor. So wurde kürzlich beim DFB auch ein Lizenzantrag für die Erste Liga eingereicht. Die Basisdaten: 17,9 Millionen Euro als Etat, 15 000 Zuschauer im Schnitt.

Das sind Aktivitäten, die auch den Spielern nicht verborgen bleiben. Und da ist dann doch Wassilew als Psychologe gefragt. Er sagt: "Sollten wir gegen Bielefeld verlieren, wäre der Abstand auf die vor uns platzierten Mannschaften in der Kürze der Zeit kaum noch zu korrigieren. Aber es sowieso die Frage, ob wir jetzt so einen Druck auf unsere Spieler ausüben sollen oder diese Aufgabe wie immer in Ruhe angehen." Keine Frage, wozu Wassilew neigt: Für ihn liegt in der Ruhe die Kraft.

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