• Die Funktionäre versuchen seit Monaten, ihre Ware ans Fernsehen verkaufen - und werden sie nicht los

Sport : Die Funktionäre versuchen seit Monaten, ihre Ware ans Fernsehen verkaufen - und werden sie nicht los

Dietmar Wenck

Anfang der Woche verbreitete der Basketball-Weltverband Fiba eine Erfolgsmeldung. "Ein neues Zeitalter" breche im europäischen Klub-Basketball an, hieß es. Die Fiba hat bis 2004 einen Vertrag mit der führenden Sportmarketing- und Medienagentur ISL abgeschlossen, mit deren Hilfe die EuroLeague eine "enorm gesteigerte Publicity" erhalten soll. ISL ermittele gerade die "verschiedenen Fernsehpartner und Lizenznehmer". Das klingt, als müsse man sich den passenden Sender nur aussuchen. Dass in Deutschland das Fernsehen nicht Schlange steht, das wissen die Basketball-Anhänger so gut wie ihre Funktionäre. Diese versuchen seit Monaten, ihre Ware zu verkaufen - und werden sie nicht los.

Ende vergangenen Jahres lief ein Vertrag zwischen dem Deutschen Basketball Bund (DBB) und den öffentlich-rechtlichen Anstalten aus. Gut 20 Millionen Mark hat der DBB für die Rechte seit 1994 kassiert. Böse Stimmen sagen, er habe sich von dem Geld in Hagen eine hübsche Geschäftsstelle gebaut, und das wars. Denn ARD und ZDF hatten zwar das Recht erworben, Basketball zu übertragen, nahmen sich aber das Recht heraus, darauf zu verzichten. Basketball bringe keine Quote, argumentierten sie. Die Zahlen gaben ihnen Recht. Vor allem ambitionierte Bundesligavereine wie Alba Berlin und Bayer Leverkusen wetterten dagegen, man könne ein Kind nicht wochenlang im Schrank einsperren, es dann herausholen und bedauernd feststellen: "Seht nur, wie blass es ist!" Deshalb sieht Otto Reintjes, der Leverkusener Manager und Verhandlungsführer der Vereine, bei den Gesprächen "jetzt andere Wertigkeiten. Das Allerwichtigste ist, dass wir in den Medien stattfinden". Besonders im Fernsehen.

Nur wie hineinkommen? Im Sommer vergangenen Jahres verlautete am Rande der EM, ein Vertragsabschluss mit dem Privatsender Pro7 stehe bevor. Der Interessent sprang ab. "Der Fernsehmarkt", sagt DBB-Präsident Roland Geggus, "ist durch Top-Sportarten fast zusammengebrochen. Durch die Ausweitung der Fußball-Übertragung gibt es kaum noch Sendeplätze." Er beklagt, dass im Hessischen Rundfunk sogar ein Aufstiegsspiel von der fünften in die vierte Liga live übertragen worden sei. Aber Fußball bringt halt Quote. Geggus sieht auch, dass die Nationalmann-schaft seit dem EM-Gewinn 1993 nicht sehr erfolgreich war. Der letzte große internationale Erfolg des deutschen Basketballs sei 1995 Alba Berlins Gewinn des Korac-Cups gewesen.

Gern wird auf Untersuchungen verwiesen, wonach Basketball bei den 13- bis 19-Jährigen die Top-Sportart ist. Reintjes erwähnt, dass das System der Quotenermittlung durch die Gesellschaft für Kommunikationsforschung (GfK) einen Haken habe: "Zweitgeräte werden bei diesen Untersuchungen nicht erfasst. Und unsere Zielgruppe, die Jugendlichen, sitzt heutzutage in ihrem Zimmer vor dem Fernseher, also vor dem Zweitgerät der Familie." Oft wird vergessen, dass Jugendliche zwar Basketball als ihre Lieblingssportart angeben, aber etwas meinen, was sehr weit weg ist: die NBA.

Was den Basketballern am meisten Mut macht, ist die Tatsache, dass sie bisher so stiefmütterlich behandelt wurden, sieht man einmal von regional engagierten Sendeanstalten ab. Der hat bei seinen abendlichen Zusammenschnitten von der Europaliga ein Stammpublikum von rund 50 000 Sehern und erreicht hohe Quoten um die sechs Prozent. Peter Duvinage aus der Münchner Vermarktungskanzlei Meyer-Wölden, der die Bundesligavereine bei den TV-Verhandlungen unterstützt, glaubt: "Neben Fußball hat Basketball sicher das größte Potenzial." Die gleiche Argumentation bewog ISL zum Deal mit der Fiba. In der Bundesliga füllen die Hallen heute vor allem Jugendliche. Sie nutzen die einzige Chance, die sie haben: Hingehen - Hinsehen geht ja nicht.

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