Sport : Die Geschlossenen

In 18 Tagen durch die Liga (1) – wie die Bundesliga-Klubs aufgestellt sind: Heute Eintracht Frankfurt

Mathias Klappenbach

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August mit dem Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt. Bis zum Start beantworten wir die neun wichtigsten Fragen zu allen 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen?

Auch in diesem Sommer wurden die Frankfurter ihrem Ruf als Chaos-Klub gerecht. Ende Juni schied der bisherige Vorstandsvorsitzende Volker Sparmann aus seinem Amt aus, bei der Neubesetzung des Postens konnte sich Aufsichtsratschef Jürgen Neppe mit seinen Kandidaten nicht durchsetzen. Der Posten ist vakant, eine für vergangenen Sonntag angesetzte Sitzung des Aufsichtsrates wurde verschoben. Es hat Tradition in Frankfurt, dass viele Leute zu vielen Themen etwas sagen. Die Machtverhältnisse im Verein sind aber momentan nicht geklärt.

Was ist das Besondere?

Vor einem Jahr ist die Eintracht nur knapp dem Zwangsabstieg in die Regionalliga entgangen, der Aufstieg der anspruchsvollen „Diva vom Main“ war von den wenigsten erwartet worden. Bis auf die Querelen in der Führung des Vereins ist mehr Realismus angesagt als in früheren Bundesligazeiten. Figuren wie der frühere Trainer und Kneipenbesitzer Dragoslav Stepanovic (Stepi’s Treff) oder Mittelfeldstar und Ferrari-Fan Maurizio Gaudino (Versicherungsbetrug) gehören der Vergangenheit an.

Was hat sich verbessert?

Nach dem Aufstieg versprach Volker Sparmann, dass die Mannschaft für die Bundesliga noch zwei bis drei „Kracher“ bekommen würde. Die sind nicht gekommen, aber der Kader wurde in allen Mannschaftsteilen verstärkt. Die Neuzugänge haben sich in der Vorbereitung gut in die Mannschaft integriert. Ein wichtiger Fakt, da die Eintracht im Kampf um den Klassenerhalt vor allem auf die Geschlossenheit der Mannschaft bauen muss.

Wie sicher ist der Trainer?

Die Quoten darauf, das Willi Reimann als Erster fliegt, stehen 5:1 – nur bei einer Entlassung von Hannovers Trainer Ralf Rangnick bekäme man noch weniger raus. Die unklare Lage in der Vereinsführung lässt bei einem eventuellen sportlichen Misserfolg auch nicht unbedingt auf Rückendeckung für den Trainer schließen. Reimann, der auch als Manager fungiert, hat allerdings eine starke Position. Der gemütlich wirkende Coach steht für Kontinuität und verlässliches Arbeiten, im Notfall kann er aber auch ganz hart durchgreifen.

Wie passen die Neuen?

Alle sieben Neuzugänge sind Kandidaten für die Startelf. Im Tor will Markus Pröll, der aus Köln kam, Oka Nikolov verdrängen. Vor allem Abwehrspieler Geri Cipi (AA Gent) und Stürmer Nico Frommer vom SSV Reutlingen haben gute Chancen auf einen Stammplatz. Im Mittelfeld ist Mehmet Dragusha, der zusammen mit Cipi und Skela in der albanischen Nationalmannschaft spielt, eine Alternative, genauso wie Stefan Lexa und Markus Kreuz. Der gebürtige Frankfurter Du-Ri Cha (Sohn der Eintracht-Legende Bum Kun Cha), der nach langen Verhandlungen für zwei Jahre von Bayer Leverkusen ausgeliehen wurde, hat es in der Offensive schwerer.

Welche Taktik ist zu erwarten?

In der Abwehr steht eine Viererkette, die Formationen davor sind sehr flexibel. Zwei Stürmer werden vor allem vom zentral agierenden Regisseur Erwin Skela unterstützt. In der offensiveren System-Variante gibt es nur einen defensiven Mittelfeldspieler, auf den Außenbahnen könnten die Neuzugänge Lexa und Dragusha zum Zuge kommen.

Wer sind die Stars?

Noch ist er keiner, aber der deutsche U-21- Nationalspieler Jermaine Jones könnte schnell zum Star werden, wenn er gesund bleibt. Das Sturmtalent, von dem sich auch Teamchef Rudi Völler viel verspricht, spielt seine letzte Saison für die Eintracht. Nächsten Sommer wechselt Jones zu Bayer Leverkusen. Der quirlige, schnelle Stürmer hat nach einer Mittelfußfraktur weiter Probleme an der Bruchstelle, zeitweise drohten eine Operation und ein halbes Jahr Pause. Ein Spezialschuh soll ermöglichen, dass Jones ganz groß rauskommt.

Was gibt das Stadion her?

Sehr wenig. Das alte Waldstadion, in dem auch bei der WM 2006 gespielt werden soll, wird derzeit für 120 Millionen Euro modernisiert. In der dann überdachten Arena werden 50 000 Zuschauer Platz finden. Zu Beginn der neuen Saison werden es aber nur 23 000 sein, später soll die Kapazität auf der Großbaustelle 30 000 Plätze betragen. Die Haupttribüne wird abgerissen, alle Plätze sind unüberdacht.

Wie sind die Fans?

Wer dabei war, erzählt immer noch vom sensationellen Saisonfinale Ende Mai, als in letzter Sekunde der Aufstieg mit dem 6:3 gegen Reutlingen gelang. Die Fans gehören zu den treuesten der Liga und sind für ihre Stimmung auch bei den Auswärtsspielen bundesweit berühmt.

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