Sport : Die geteilten Spiele

Hundert Tage vor Olympia in Turin müssen noch einige Probleme aus dem Weg geräumt werden

Benedikt Voigt

Berlin - Auf eine Feststellung legt Magnus Enfeldt besonderen Wert. Der Vize-Wettbewerbsleiter für das Eisschnelllaufen in Turin sagt: „Ich bin nicht der Verantwortliche für die Arbeiten in der Eisschnelllaufhalle.“ Es verwundert kaum, dass der Ehemann der deutschen Eisschnellläuferin Monique Garbrecht-Enfeldt nicht für das „Oval Lingotto“ verantwortlich sein will: Die Arbeiten sind erheblich im Verzug. Im Januar hätten in der Halle die Sprintweltmeisterschaften stattfinden sollen – nun hoffen die Verantwortlichen, sie wenigstens bis zum Weltcup am 9. Dezember bereitstellen zu können. Doch es gibt einen noch wichtigeren Termin: Heute in 100 Tagen muss die Eisschnelllaufhalle endgültig fertig sein.

Am 10. Februar 2006 werden im Olympiastadion von Turin die 20. Olympischen Winterspiele eröffnet. Bis dahin müssen das Turiner Organisationskomitee (Toroc) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch einige Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Neben einigen Bauten, die es noch fertig zu stellen gilt, bereiten auch Verkehrskonzept, Finanzierung und die Dopingproblematik Sorgen.

So ist immer noch nicht der Streit zwischen dem IOC und der italienischen Regierung über das strenge italienische Antidopinggesetz beigelegt. Hierbei geht es um die Zuständigkeit im Kampf gegen das Doping. Das IOC befürchtet, dass die italienische Polizei während der Spiele in den olympischen Dörfern Razzien durchführen und überführte Sportler vor ordentliche Gerichte stellen könnte. Es betrachtet den Kampf gegen das Doping während der Spiele als seine eigene Aufgabe. „Bei vollem Respekt vor dem Gesetz muss sichergestellt sein, dass die Spiele korrekt ablaufen können“, sagte IOC-Präsident Jacques Rogge. Bis zu einer Lösung sei es noch ein langer Weg.

Das passt zu diesen Spielen, die das Prinzip der weiten Wege verinnerlicht haben. „Es werden geteilte Spiele werden“, sagt Michael Schirp, Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees von Deutschland. Ein Teil der Spiele findet in Turin statt, wo Eishockey, Eisschnelllaufen, Eiskunstlaufen und Short Track ihre Olympiasieger bestimmen. Das andere Zentrum liegt rund 150 Kilometer von Turin entfernt in und um Sestriere. Dort sind die Zufahrten zu den entfernteren Bergdörfern wie Pragelato inzwischen fertig gestellt, doch Zuschauer, Sportler und Offizielle werden sich enge Serpentinenstraßen hinaufquälen müssen. Nach einer Computersimulation, bei der Busse die engen Straßen hinaufgeschickt wurden, mussten die Zuschauerzahlen für einige Wettbewerbe begrenzt werden. So sind zum Skispringen in Pragelato nur 8000 Zuschauer zugelassen, zum Abfahrtslauf lediglich 8500. Spannend wird auch sein, ob alle Medaillengewinner aus den Bergen den langen Weg zur offiziellen Siegerehrung auf der Medal Plaza in Turin auf sich nehmen werden.

Zudem bereitet die Finanzierung wieder Schwierigkeiten. Die italienische Regierung fror 16 Millionen Euro ein, die für den Olympiaetat vorgesehen waren. Allerdings hat der Vizesportminister Mario Pescante zugesichert, das Geld bald wieder freizugegeben. Die Turiner Spiele haben einen Etat von 1,3 Milliarden Euro.

Ein kleiner Teil des Geldes ist für die olympische Bob- und Rodelbahn aufgewendet worden, die im Sommer noch einmal umgebaut werden musste. Die Anlage musste entschärft werden, nachdem bei der Premiere einige Rodler nach ihrer Fahrt ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Ob die Bahn nun mit weniger Risiko befahren werden kann, wird sich erst beim Weltcup im November erweisen.

Magnus Enfeldt glaubt jedenfalls an ein positives Ende. Er hat im Januar bei der Europameisterschaft im Short Track erlebt, wie schnell die Italiener arbeiten können. „Im Palavela war einige Tage vorher noch sehr viel zu tun, doch plötzlich standen überall Bäume und Blumen.“ Der Vize-Wettbewerbsleiter für das Eisschnelllaufen sagt deshalb: „Es werden gute Spiele.“

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