Sport : Die große Alba-Show

Berlin fertigt Bonn 99:69 ab und braucht nur noch einen Sieg zur Meisterschaft

Helen Ruwald

Berlin - Da standen sie und hielten stolz und ein bisschen unsicher den winzigen Pokal in die Höhe. „Sie haben Großes geleistet“, brüllte der Hallensprecher. Der 15. Juni 2008 wird als denkwürdiger Tag in die Geschichte von Alba Berlin eingehen. Die Basketballer feierten gestern den Deutschen Meistertitel – bei den Unter-14-Jährigen. Zehn Minuten vor Spielende der Profis durften die Jungen aufs Feld, und schon am Dienstag könnte es die nächste Berliner Meisterfeier geben. Im dritten Play-off-Finalspiel der Großen düpierte Alba die Telekom Baskets Bonn vor 8861 Fans in der ausverkauften Max- Schmeling-Halle mit 99:69 (53:29) und ging in der Best-of-five-Serie 2:1 in Führung. Fünf Minuten vor Schluss sangen Albas Fans hämisch Richtung Bonner Anhänger: „Ihr werdet nie Deutscher Meister!“ Der Freudentaumel in Gelb auf der Tribüne steigerte sich noch einmal, als Albas Spielmacher Bobby Brown (16 Punkte, vier Dreier) die letzten beiden Körbe mit Distanzwürfen erzielte. Beim letzten wartete er mit dem Wurf bis fünf Sekunden vor Spielende, sodass der Ball mit der Schlusssirene in den Korb fiel.

„Die Stimmung war außergewöhnlich und ein würdiger Rahmen“, sagte Albas Sportdirektor Henning Harnisch über die fast das ganze Spiel singenden und jubelnden Fans. „Man merkt, dass die Fans an uns glauben.“ Albas Trainer Luka Pavicevic sprach sehr sachlich von „einem exzellenten Auftritt, wir werden den Abend genießen“. Dass er bei der Pressekonferenz nicht wie sonst einmal sondern mehrmals Glückwünsche an sein Team aussprach, ließ erkennen, wie bewegt Pavicevic innerlich war.

Noch in Spiel zwei am Mittwoch (71:81) in Bonn hatte sein Team keineswegs überzeugt. Gestern war die Ungeduld, es diesmal besser machen zu wollen, unübersehbar. Zum Beispiel, als Lucy von den „No Angels“ die deutsche Nationalhymne sang, und der Amerikaner Bobby Brown ungeduldig umherhüpfte. Er wollte endlich anfangen. Doch auf dem Feld machten die Gäste zunächst den besseren Eindruck und gingen 16:9 in Führung. Doch die Berliner ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und kamen bis Ende des ersten Viertels auf 18:20 heran. Die nächsten zehn Minuten dürften mit zu den bittersten in der Geschichte der Telekom Baskets Bonn gehören. Alba gewann das Viertel 35:9. „Wir waren leer, nicht der Akku, sondern der Kopf“, sagte Bonns Trainer Michael Koch. „Die letzte Zeit war unglaublich. Der Sieg im letzten Moment in den Play-offs in Quakenbrück und in Frankfurt. Unser Spielmacher Miah Davis hat in den Play-offs geheiratet und ist Vater geworden. Das waren große Emotionen.“ Zu große, um gestern die richtige Antwort auf Albas Angriffswirbel geben zu können.

Auch die Berliner Verteidigung war im Gegensatz zum Mittwoch nicht wiederzuerkennen. Vor allem aber war Alba nicht mehr auf Distanzwürfe von Boby Brown angewiesen, um im Spiel zu bleiben, weil unter dem Korb nichts zusammenlief. Die Berliner trafen zwar erneut zehn Mal aus der Distanz, vor allem aber betrug die Trefferquote aus nächster Korbnähe sagenhafte 96 Prozent. Nur bei einem von 24 Versuchen fiel der Ball nicht durch den Ring. Beste Berliner Werfer waren Julius Jenkins (26), Aleksandar Nadjfeji und Bobby Brown (beide 16). Dass Alba sich auch 15 Ballverluste leistete, störte gestern niemanden. Dafür verdeutlichten die 23 Korbvorlagen das starke Passspiel. Die Bonner waren lange Zeit nur noch Statisten, die allenfalls durch Fouls auffielen und ansonsten ausgespielt und gedemütigt wurden.

Bonns Trainer Michael Koch kann in der Pause nicht die richtigen Worte gefunden haben, die Alba-Show ging weiter, erweitert um Einlagen wie den „Monster Dunk“ von Immanuel McElroy. Die entnervten Bonner durften gelegentlich einen Korb machen und den 32-Punkte- Rückstand auf 30 Punkte verkürzen, das vierte Viertel gewannen sie sogar 24:16. Mehr aber auch nicht. „Das war so nicht zu erwarten“, sagte Alba-Profi Nadjfeji zum Spielverlauf. „Aber in Bonn wird es hart. Sie wollen Revanche, und jeder wird gegen uns sein.“ Helen Ruwald

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