Sport : Die große Leidenschaft

Leverkusen zeigt tollen Fußball und schickt Real Madrid mit 3:0 nach Hause

Erik Eggers[Leverkusen]

Klaus Augenthaler hatte es vorher gewusst: Ohne Leidenschaft gehe hier gar nichts, hatte Leverkusens Trainer vor dem ersten Spiel der Champions League gegen Real Madrid gesagt. Mit Leidenschaft aber ging für sein Team sehr viel in der Bayarena. Und da Leverkusen in einem phasenweise hochklassigen Spiel viel mehr Einsatz zeigte als der Favorit, war der 3:0 (1:0)-Sieg auch verdient.

Entscheidend war die 39. Spielminute. Englands Nationalspieler Beckham schiebt den Ball nach einem Eckball der Leverkusener direkt in die Laufbahn von Leverkusens Krzynowek. Der zögert nicht lange, trifft den Ball optimal mit dem linken Fuß und erzielt aus rund 30 Metern das 1:0. Dann guckt Krzynowek kurz ungläubig in Richtung Madrider Tor, ehe er zögernd eine Hand zum Jubeln emporstreckt, während die Zuschauer ihn schon ausgelassen feiern.

Zu diesem Zeitpunkt war Klaus Augenthaler schon ein wenig am Verzweifeln, denn seine Mannschaft hatte mehrere gute Chancen vergeben und dabei durch Berbatow einmal den Pfosten getroffen. Dreimal war es allein Franca, der unbedingt schon früher die Führung hätte erzielen müssen. Die beste Möglichkeit hatte er kurz vor der Führung, als Berbatov ihn im Strafraum freispielte, Franca sich geschickt durchsetzte, dann aber den Ball über das Tor schoss.

Auch mit dem neuen Innenverteidiger Walter Samuel, der vom AS Rom gekommen war, machte Madrids Abwehr nie einen sicheren Eindruck. Leverkusen dagegen schaffte es, die Räume gegen die Stars um Zidane, Beckham, Ronaldo und Figo sehr eng zu machen. Einmal entwischte Salgado auf der rechten Seite, flankte nach innen, wo der ansonsten konzentriert spielende Roque Junior den Ball unglücklich weiterleitete – direkt vor die Füße von Ronaldo. Der aber, selbst überrascht von der plötzlichen Gelegenheit, lupfte den Ball nur an die Latte.

Zwei Jahre ist es her, als Bayer Leverkusen damals noch unter Trainer Klaus Toppmöller im Finale der Champions League ein ähnlich leidenschaftliches Spiel gezeigt hatte. Damals hatte Bayer den Gegner beherrscht, war technisch ebenbürtig und taktisch geschickt. Am Ende aber jubelte Madrid mit Zidane, der gestern in der Halbzeit verletzt ausgewechselt wurde.

Gestern aber spielten sich die Gastgeber frei, was vor allem daran lag, dass sie schnell nach der Pause zwei weitere Tore schaffte. Erst war es wieder Beckham, der Franca vor dem Strafraum frei zum Schuss kommen ließ (50.), dann lenkte Samuel eine Eingabe Francas unglücklich am eigenen Torwart vorbei zu Berbatow, der sich mit dem 3:0 bedankte (55.). Das Spiel war entschieden, der Favorit entzaubert. Und mancher in Leverkusen fragte sich jetzt einmal mehr, wie dieses Team am Samstag noch in der Bundesliga gegen Mainz 0:2 verlieren konnte.

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