Sport : Die gute Niederlage

Nach dem 1:2 in Hamburg will sich Hertha die Laune nicht verderben lassen

Mathias Klappenbach

Berlin - Wenn heute Abend das Nachholspiel zwischen Hannover 96 und Arminia Bielefeld abgepfiffen wird, steht Hertha BSC auf einem Abstiegsplatz. Mindestens eine der punktgleichen Mannschaften wird die Berliner in der Tabelle überholen. Das ist nach sechs Bundesligaspieltagen ein Fehlstart, der den Klub-Verantwortlichen Anlass zur Sorge geben müsste. Doch trotz dieser Situation und der 1:2-Niederlage beim Hamburger SV vom Tag zuvor hatte Falko Götz am Montag ausgesprochen gute Laune. „Ich habe aus unserer Leistung viel Hoffnung geschöpft. Wir haben allen Grund, optimistisch zu sein, und ich will das auch vorleben“, sagte Herthas Trainer. Als nach soviel unerwartetem Optimismus eine kurze Gesprächspause entsteht und nur das Klicken der Kamera eines Fotografen zu hören ist, muss der Trainer sogar richtig loslachen.

Götz will die Stimmung hochhalten, vor allem in seiner Mannschaft. Nachdem der mögliche Sieg in Hamburg vergeben worden war, eilten die Spieler mit versteinerten Gesichtern in die Kabine. Weil sie von sich selbst enttäuscht waren. Fredi Bobic, der beim Stand von 1:1 alleine vor Hamburgs Torwart Martin Pieckenhagen die beste Chance von Hertha vergeben hatte, trat bei seiner Auswechslung wütend gegen eine Werbebande. „Es ist doch besser, wenn ich gegen die Bande trete als gegen den Trainer“, sagte Bobic gestern. „Ich war ja wegen der vergebenen Chance sauer und nicht wegen meiner Auswechslung.“ Der Frust bei Bobic war am Tag danach schon wieder verflogen und durch freundliche Entspanntheit ersetzt worden. Und auch auf die anderen Spieler hatte sich die Laune ihres Trainers in einer kurzen Besprechung der Niederlage von Hamburg übertragen. „Wir waren zuerst alle sprachlos. Über so ein Spiel muss jeder erst einmal für sich nachdenken, und dann können alle darüber reden“, sagte der Verteidiger Oliver Schröder. „Wir dürfen jetzt aber auf keinen Fall den Spaß verlieren.“

Die Spieler halten jegliche Diskussion über die Position des Trainers für „Quatsch“, und Falko Götz, der beim Morgentraining zunächst noch in sich gekehrt das Spiel vom Vorabend verarbeitet hatte, will „sich auf seine Arbeit konzentrieren“. In dieser Woche scheint diese vor allem darin zu bestehen, dass „die Mannschaft ihre Spielfreude behält und unsere Kommunikation positiv bleibt“. Götz kann diese Gute-Laune-Offensive nur deshalb starten, weil seine Mannschaft beim HSV ein gutes Spiel gemacht hat, nicht nur im Vergleich zu der vorherigen 2:3-Pleite beim DFB-Pokalspiel in Braunschweig. „Die Mannschaft ist mit der Drucksituation nach dem Pokalspiel sehr gut umgegangen“, sagte Manager Dieter Hoeneß. Hertha spielte in Hamburg vor allem läuferisch und kämpferisch überzeugend. Die Fehler, die zu den beiden Toren von Naohiro Takahara führten, wollte Falko Götz schon gar nicht mehr thematisieren. Und selbst der einmal mehr ungenügenden Chancenauswertung konnte der Trainer noch etwas Positives abgewinnen. „Eine Mannschaft, die nicht an sich glaubt, hat solche Chancen erst gar nicht.“ Auch die Tabelle interessiere ihn nicht. „Wir stehen erst vor dem 7. Spieltag. Da gibt es noch keinen Abstiegskampf.“

Vielleicht hat die Hoffnung des Trainers, dass Hertha „sich schon bald für seine Einstellung belohnen wird“, ihren Grund auch darin, dass heute die lange Zeit verletzten Arne Friedrich und Yildiray Bastürk in das Mannschaftstraining zurückkehren. Beide sollen am Samstag in Kaiserslautern im Kader stehen und wenigstens zu Teileinsätzen kommen.

Denn das Spiel in Hamburg hat trotz aller zu erkennenden Fortschritte erneut gezeigt, dass Götz noch keine stabile Formation gefunden hat, die seinen Glauben und seine Hoffnungen rechtfertigt.

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