Sport : Die Hits der 80er und das Beste von heute

In dieser Handballsaison könnte der Ruhm zum VfL Gummersbach zurückkehren – und auch Andreas Thiel

Hartmut Moheit

Berlin - Ein Anruf würde genügen, und Andreas Thiel wäre zurück beim VfL Gummersbach. „Ich warte nur darauf“, sagt der Jurist aus Köln. In seiner Zeit als Handball-Torhüter ist er der „Hexer“ genannt worden wegen seiner außerordentlichen Reflexe. Mit der deutschen Nationalmannschaft in 256 Länderspielen und dem VfL Gummersbach, der einstmals weltbesten Vereinsmannschaft, hat Thiel große Erfolge gefeiert. Auch beim bisher letzten Meistertitel der Gummersbacher hat Thiel mitgespielt. Das war 1991. Es würde daher gut passen, wenn Thiel wieder zum VfL zurückkehren würde. Denn in dieser Saison ist der VfL nach vielen sorgenvollen Jahren auf einmal wieder Favorit auf den Titel.

Eine alte Liebe könnte nun wieder aufgewärmt werden. „Ich denke gern an den VfL der Achtzigerjahre zurück“, erzählt Thiel, „denn für mich hat Erinnerung und Herzblut etwas mit Menschen zu tun.“ In den vergangenen Jahren hat Thiel das Schicksal seines Vereins dagegen nicht mehr mit Begeisterung verfolgt. Die Verantwortlichen hätten den Klub beinahe in den Ruin getrieben. Für die Saison 2000/2001 war dem VfL wegen 1,6 Millionen Mark Schulden zunächst sogar die Erstligalizenz verweigert worden. Das hätte den Abstieg des Rekordmeisters in die Regionalliga bedeutet. Über die damalige Vereinsführung möchte sich Thiel nicht äußern. Doch am 1. Oktober hat mit Uwe Braunschweig einer der Gummersbacher den Managerposten übernommen, an die sich Andreas Thiel gern erinnert.

Diese Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. „Auf meiner Telefonliste steht der Andi ganz oben“, sagt Braunschweig, der Thiel nicht nur als Torwarttrainer zurückholen möchte. „Wir möchten damit die neue Philosophie beim VfL unterstreichen, die auf dem dynamischen Handball der Gegenwart und der großen Tradition beruht.“ Auf jeden Fall scheint der Verein wirtschaftlich gesundet. „Die Namen unserer Sponsoren sollten allein schon dafür sprechen, dass der VfL auf gesunden Füßen steht“, sagt Braunschweig. Bis 1975 spielte er selbst beim VfL, der auf seinen Briefbögen auf die errungenen zwölf deutschen Meistertitel, 13 Europacupsiege und den EM-Titel für Vereinsteams 1983 verweist.

Die aktuelle Mannschaft ist schon wieder auf dem Weg zurück zu alter Klasse, auch wenn Braunschweig derzeit lieber „den Ball flach halten“ möchte. Das ist verständlich, schließlich war Gummersbach vor drei Jahren noch in den Abstiegskampf verwickelt. Doch der sechste Platz in der vergangenen Saison ließ schon auf einen Aufwärtstrend schließen. Seit die wirtschaftliche Basis stimmt, kann sich der Verein auch mehr teures Personal leisten. Andreas Thiel, der zweimal in der Woche die Torhüterinnen bei Bayer Leverkusen trainiert und auch mit den Nationaltorhütern arbeitet, sieht die Gummersbacher in dieser Saison in der Rolle des „Geheimfavoriten“. Um die Meisterschaft mitzuspielen, ist wohl auch Verpflichtung bei einem Etat von 3,9 Millionen Euro.

Ein Coup ist in der noch jungen Saison bereits geglückt: In der mit mehr als 18 000 Zuschauern ausverkauften Kölnarena bezwang Gummersbach Meister und Pokalsieger Flensburg-Handewitt. In bislang fünf Spielen gab es nur eine Niederlage – in Kiel. Eine große Herausforderung erwartet den VfL in der nächsten Runde des Pokalwettbewerbs: ein Auswärtsspiel in Magdeburg.

Neben dem besten Bundesliga-Torschützen der zurückliegenden Spielzeit, dem Koreaner Kyung-Shin Yoon, sind nun alle Positionen gut besetzt, zumeist sogar doppelt. Yoon, ein Riese von 2,04 Metern, ist schon seit 1996 im Verein. Die Gummersbacher Platzierungen schwankten seitdem zwischen Rang zwölf und vierzehn. Nachdem 2003 die deutschen Nationalspieler Frank von Behren und Mark Dragunski kamen, dazu die Franzosen Cedric Burdet und Francois-Xavier Houlet, konnte 2004 mit dessen Landsmann Daniel Narcisse für den Rückraum ein weiterer Star verpflichtet werden. Und dann ist da noch Torhüter Steinar Ege aus Norwegen. „So einem wie Ege oder auch Henning Wiechers kann ich technisch nichts mehr beibringen, aber wenn es um ihre spezifische Aktionsschnelligkeit geht, kann ich schon helfen“, sagt Andreas Thiel.

Thiel könnte auch mit dem neuen Trainer Richard Radka gut auskommen. „Wir kennen uns seit der Juniorenzeit, ein ruhiger Junge aus Westfalen. Seitdem er die Geschicke führt, geht es wieder aufwärts“, beschreibt Thiel den 40-Jährigen, der zuvor 18 Jahre lang in Düsseldorf war. Radka hatte vorher noch nie einen Erstligaverein trainiert. Im Juli löste er den erfahrenen Sead Hasanefendic ab. So könnten nun Radka und Thiel, ein neuer und ein alter Gummersbacher, die Tradition des VfL neu beleben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben