Sport : Die Höhenweltmeister

Deutschlands Vorrundengegner Ekuador hat schon Brasilien bezwungen – zu Hause auf 2850 Metern

Frank Bremermann[Mexiko-Stadt]

Als das Los im Dezember Ekuador und Deutschland in der WM-Gruppe A zusammenbrachte, machte sich in dem kleinen Andenstaat Enttäuschung breit. „Gegen Deutschland wollte ich nun sicher nicht spielen“, sagte Mittelfeldspieler Edison Méndez. Für ihre zweite Teilnahme an einer WM-Endrunde hatte die Mannschaft des kolumbianischen Trainers Luis Fernando Suarez (46) dieses Mal auf eine leichtere Auslosung gehofft. Vor vier Jahren bei der Endrunde in Japan und Korea kamen die Südamerikaner nicht über die Gruppenphase hinaus. Nach Niederlagen gegen Italien (0:2) und Mexiko (1:2) und einem 1:0-Sieg gegen Kroatien war bereits nach der Vorrunde Schluss.

Trainer Suarez ist optimistisch, dass dieses Mal alles besser wird. Seine Mannschaft, die keine großen Stars und nur wenige Spieler mit internationaler Erfahrung besitzt, sei ein sehr kompaktes Kollektiv und in Abwehr, Mittelfeld und Angriff ausgeglichen besetzt, sagt der Trainer. Bekannteste Spieler sind Ulises de la Cruz, Verteidiger vom englischen Premier-League-Klub Aston Villa, und Mittelstürmer Agustin Delgado, der nach einem Intermezzo beim FC Southampton inzwischen wieder in Ekuador beim Meister LDU Quito kickt. Delgado ist nicht nur Rekordtorschütze der Ekuadorianer mit 29 Treffern, sondern er wird in seiner Heimat auch als Held verehrt, seit er bei der WM 2002 das erste Tor für den Andenstaat bei einer Weltmeisterschaft überhaupt erzielt hat. Aber neben dem 31-jährigen Delgado fehlt dem Team ein weiterer Klassestürmer. Ivan Kaviedes, Welttorjäger von 1998, der bei Argentinos Juniors spielt, ist inzwischen in die Jahre gekommen. Acht Spieler Ekuadors haben die WM vor vier Jahren mitgemacht. Mit sieben Spielern stellt der Hauptstadtklub LDU Quito das Rückgrat der Mannschaft.

Auf dem Papier ist Ekuador der schwächste Gegner in der Gruppe A. In der Fifa-Weltrangliste belegt das Team Rang 39, während Costa Rica (26) und Polen (29) besser platziert sind. Auch die Bilanz gegen die Gruppengegner ist schlecht. Gegen Polen gab es im einzigen Spiel eine Niederlage. In neun Duellen mit Costa Rica gewann Ekuador zwei Mal und verlor zwei Mal. Fünf Spiele endeten ohne Sieger. Nur gegen Deutschland haben die Südamerikaner noch nie gespielt.

Wirklich stark ist die Mannschaft nur zu Hause, wenn sie im Atahualpa-Stadion in der Hauptstadt Quito auf 2850 Metern spielen darf, wo den meisten Gegnern die Luft ausgeht und sogar Brasilien und Argentinien geschlagen wurden. Daheim hat die Mannschaft 23 der 28 Punkte geholt, die zur Weltmeisterschafts-Teilnahme nötig waren und dem Land letztlich hinter Brasilien und Argentinien den dritten Platz in der starken Südamerika-Gruppe eingebracht haben. Der einzige Auswärtssieg gelang Ekuador in Bolivien. Deren Hauptstadt La Paz liegt auf 3950 Metern Höhe.

Aber Trainer Luis Fernando Suarez wehrt sich gegen den Vorwurf, dass sein Team nur zu Hause wirklich gut spielen kann, und verweist auf das 0:1 im Vorbereitungsspiel Anfang März in den Niederlanden. Mit einem modernen 4-4-2-System und hoher taktischer Disziplin konnten die Südamerikaner dem Angriffswirbel der Niederländer lange standhalten. Aber es wurde auch deutlich, dass dem Team im Mittelfeld ein Spielmacher und im Angriff die Alternativen fehlen.

Überhaupt konnte die Mannschaft in den Vorbereitungsspielen nicht überzeugen. Ende März gab es in Japan ebenso wie gegen die Holländer eine 0:1-Niederlage. Lediglich das Leichtgewicht Honduras konnte Anfang des Jahres mit 1:0 besiegt werden. Vor Beginn der WM standen für Deutschlands Gruppengegner noch zwei weitere Testspiele auf dem Programm: In New York trennte er sich vom Nachbarn Kolumbien 1:1, gestern Abend traf Ekuador in Madrid auf Mazedonien und leistete sich eine 1:2 (1:1)-Pleite.

An das WM-Klima können sich die Ekuadorianer von heute an gewöhnen. Dann landen sie in Frankfurt am Main und beziehen Quartier in Bad Kissingen.

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