Sport : Die Kanutin Manuela Mucke und der lange Weg bis Olympia

Ernst Podeswa

Die Vorfreude der Gastgeber auf die Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney war offenkundig. Dieses Gefühl wurde am Mittwochabend im Philip-Johnson-Haus (Friedrichstraße), dem neuen Standort der Botschaft Australiens, von einer jungen Berliner Sportlerin durchaus geteilt. "Ich freue mich unheimlich, wenn ich im nächsten Jahr dabei sein könnte. Das Jahr 2000, Sydney, Australien - das hat schon was", so Manuela Mucke.

Die 24-jährige Kanutin aus Friedrichsfelde, bis 1996 für den SC Berlin-Grünau und seither aus Trainingserwägungen für den KC Potsdam startend, wird mit einiger Sicherheit in zwölf Monaten bei Olympia ihr Paddel durchs Wasser ziehen. Von den zurückliegenden Weltmeisterschaften nahe Mailand kehrte sie mit zwei Silbermedaillen zurück. 1996 in Atlanta gehörte sie zum deutschen Goldvierer, war im Zweier oder Vierer insgesamt drei Mal Weltmeisterin und ebenso oft WM-Zweite. "Wir haben bei den jüngsten Weltmeisterschaften trotz der Medaillen einen Denkzettel erhalten. Denn bei den Frauen kehrten wir erstmals ohne einen Titel zurück. Australien und Ungarn dagegen haben mächtig zugelegt", erklärte die Weltklassekanutin. Selbst der Versuch von Bundestrainer Josef Capousek, sie zusammen mit Rekord-Weltmeisterin Birgit Fischer in den KII zu setzen, bescherte keinen zählbaren Erfolg - Rang vier.

Auf der anderen Seite brachte die deutsche Paddlerflotille alle Boote in olympischen Wettbewerben in die WM-Endläufe. Das bedeutet jeweils Startrecht bei der olympischen Regatta in zwölf Monaten: "Jeder Verband darf in Sydney sechs Frauen einsetzen. Ich hoffe, dass unser NOK dieses Kontingent ausschöpft und dass ich natürlich dazugehöre." Die Mannschafts-Kanutin liebäugelt mit einem Platz im deutschen Vierer, wünscht sich auch die Qualifikation in einem Zweier, "wenn möglich mit meiner Klubkollegin Katrin Wagner."

Vor der langen Anlaufphase bis zum olympischen Großereignis genießt die ausgebildete Hotelfachfrau ein paar Tage Urlaub. Dann folgen Kraft- und Ausdauertraining, Skilager im Januar, fünf Wochen Training im australischen Brisbane, dann in Sabaudia/Italien. "Danach stehen zwei nationale Olympia-Ausscheidungen an und der vorolympische Test in Ungarn, wo geklärt wird, wie die deutschen Boote bei den olympischen Entscheidungen besetzt werden." Die Heinrich-Heine-Klinik in Neufahrland wird also sehr oft ohne Frau Mucke an der Rezeption auskommen müssen. Dennoch ist die Spitzenathletin sehr froh über den vorerst auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag mit Beginn im Oktober. "Solch eine Arbeitsstelle mit einem sportfreundlichen Chef ist das Beste, was man sich als Sportlerin wünschen kann. Ich werde, so oft es geht, 20 Stunden in der Woche meinen Dienst tun und kann mich so auf die Zeit nach dem Leistungssport vorbereiten." Möglich wurde die Anstellung durch den Kanu-Förderverein, dem der Klinikchef angehört, und den Olympiastützpunkt.

Die olympische Wettkampfstrecke kennt Manuela Mucke schon: "Das ist ein künstlicher Kanal neben einem natürlichen Fluss. Durch Fluß-Hochwasser waren Kraut und Algen in den Kanal übergeschwappt. Doch ich denke, das wird uns im nächsten Jahr nicht behindern." Mehr Schwierigkeiten dürfte die australische Kanu-Streitmacht bereiten. An deren Spitze steht die Ex-Rostockerin Katrin Borchardt, mittlerweile als Weltmeisterin in Australien eine gefeierte Sportgröße und eine von zahlreichen Goldhoffnungen in Down under.

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