Sport : Die kleine Lösung

Die Hockey-Bundesliga soll reduziert werden

Stefan Hermanns

Berlin - Die Männer vom Berliner Hockey-Club (BHC) haben in der Bundesliga ein erfolgreiches Doppelwochenende hinter sich. Aus zwei Spielen holten sie vier Punkte und verbesserten sich vom letzten auf den zehnten Platz. Das würde reichen, um am Saisonende den Abstieg in die Zweite Liga zu verhindern. Noch. Denn Ende nächster Woche wird der Bundestag des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) in Mönchengladbach über einen Antrag abstimmen, die Feld-Bundesliga zur Saison 2006/07 von zwölf auf zehn Klubs zu reduzieren. „Das werden wir mit Sicherheit ablehnen“, sagt BHC-Geschäftsführer Stefan Zipter. Damit ist er nicht allein. Bei den Berliner Klubs bestehe „einhellige Ablehnung“, sagt Zipter.

Selbst die Verfechter der Reduzierung machen sich keine Illusionen, dass ihr Vorschlag eine Mehrheit findet. „Ich glaube, wir haben keine Chance“, sagt Bundestrainer Bernhard Peters. Und sein Mitstreiter Hans Baumgartner, als DHB-Vorstandsmitglied Bundesliga einer der Initiatoren, „weiß, dass mein eigener Verein gegen meinen Vorschlag stimmen wird“. Dabei haben Peters, Baumgartner und andere aus dem DHB versucht, die Vereine von ihrer Idee zu überzeugen. „Wir haben einige zum Nachdenken gebracht“, sagt der Bundestrainer. Aber es werden nicht genug sein.

Das Problem ist, dass die Belastung für die Hockeyspieler, allesamt Amateure, in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Das liegt daran, dass sich die Sportart neben dem Wettbewerb auf dem Feld auch noch einen in der Halle leistet, aber vor allem an einer Ausweitung des internationalen Spielverkehrs. Inzwischen gibt es jedes Jahr eine Champions Trophy, alle zwei Jahre eine Europameisterschaft, und auch die Weltmeisterschaften sollen künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden. „Leider“, sagt Bundestrainer Peters. Eine psychische Regeneration finde nicht mehr statt, die Spieler bewegten sich permanent auf einem Level von 70, 80 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. „100 Prozent sind gar nicht möglich“, sagt Peters. „Das sind ja keine Maschinen.“

Stefan Zipter vom BHC kann diese Argumente durchaus verstehen; was er nicht verstehen will, ist, dass „die Vereine immer weiter nach hinten gedrängt werden“. Das ist auch eine finanzielle Frage. Hockeyvereine haben meist große Schwierigkeiten, überhaupt Sponsoren zu finden. Bei einer Reduzierung der Liga fielen zwei Heimspiele weg, bei denen sich die Geldgeber präsentieren können.

Die eingleisige Bundesliga sollte ursprünglich ohnehin nur aus zehn Vereinen bestehen. Bei ihrer Einführung kam es dann allerdings zu einem Kompromiss mit zwölf Teams. „Damals waren wir nicht mutig genug“, sagt Hans Baumgartner, der den Vereinen androht, dass sie bei einem Scheitern der Reduzierung auch die Konsequenzen tragen müssten: mehr unbeliebte Doppelwochenenden mit Spielen am Samstag und am Sonntag. Bundestrainer Bernhard Peters will den Kampf für eine kleinere Liga auch bei einer Niederlage nicht aufgeben: „Wir würden das noch mal intensiver vorbereiten und dann einen neuen Antrag stellen.“ Die Erfahrung lehrt, dass es sich manchmal lohnt, einen langen Atem zu haben. Bei der Einführung der eingleisigen Bundesliga lagen zwischen der Idee und der Verwirklichung auch fast zehn Jahre.

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