Sport : Die Lizenz zum Trainieren

Iwan Tischanski ist nun auch offiziell Coach des 1. FC Union

Karsten Doneck

Berlin. Der Strohmann wird nicht gebraucht. Iwan Tischanski, vor zehn Tagen beim 1. FC Union vom Assistenten zum verantwortlichen Trainer aufgestiegen, darf die Profis des Berliner Fußball-Zweitligisten nun auch ganz offiziell trainieren. Eine entsprechende Bestätigung erhielt der Verein gestern auf Anfrage von der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Über die Wertigkeit der von Tischanski Anfang der Neunzigerjahre in Österreich erworbenen Trainerlizenz gibt es unterschiedliche Auffassungen. Als Notlösung dachte Union daran, den im Jugendbereich des Klubs an verantwortlicher Stelle tätigen Henry Häusler als „Lizenzgeber“ vorzuschalten. Häusler besitzt die für Trainer im deutschen Profifußball geforderte Fußballlehrer-Lizenz. Er hätte allerdings auch weiterhin bei der ersten Mannschaft keine Mitspracherechte gehabt – eine durchaus gängige Praxis in solchen Übergangsphasen.

Die Genehmigung der DFL für Tischanski gilt indes nur vorläufig – bis Saisonende. „Parallel dazu wird von der DFL jetzt jedoch geprüft, wie die Lizenz, die Tischanski hat, anerkannt werden soll, ob das nun der A-Schein ist oder die Fußballlehrerlizenz“, sagt Lars Töffling, Unions Pressesprecher.

Eine weitere Formalie harrt hingegen noch ihrer Ausführung: Der 1. FC Union will Tischanskis Assistentenvertrag in einen Cheftrainervertrag umwandeln. An eine gleichzeitige Erhöhung der Bezüge ist dabei aber offenbar nicht gedacht. Union ist knapp bei Kasse, und Tischanski, ohnehin ein überaus bescheidener Mensch, soll in dieser Hinsicht bisher noch keinerlei Forderungen gestellt haben. Der Zwang, rigoros sparen zu müssen, spielt auch eine große Rolle bei Unions Überlegungen, nach Möglichkeit bis Saisonende mit Tischanski weiterzumachen. Schließlich streitet der fristlos gekündigte Trainer Georgi Wassilew mit Union demnächst vor dem Arbeitsgericht um ausstehende Gehälter oder eine Abfindung.

Derweil gehen die Spekulationen um Tischanskis Nachfolge weiter. Die „Bild“-Zeitung meldete gestern, dass jetzt auch der beim SSV Reutlingen beschäftigte Frank Wormuth (früher Profi bei Hertha BSC) im Gespräch sein soll.

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