Sport : Die Lückenbüßer

Peggy Waleska und Britta Oppelt waren nicht gut genug für den Vierer – und holten Silber im Zweier

Frank Bachner

Athen - Peggy Waleska glitt mit ihrem Boot ins Ziel, sie hatte mit Britta Oppelt gerade Silber im Doppel-Zweier gewonnen, und jetzt schlug sie mit der Faust aufs Wasser, dass eine kleine Fontäne hochstieg. In der Geste steckte alles drin: bloße Freude, tiefe Genugtuung, aber auch aber auch Wut. Irgendwo an Land stand Bundestrainerin Jutta Lau und sah das Ganze. Sie sollte es auch sehen, es war ein kleiner, aggressiver Gruß an sie. Denn Oppelt und Waleska ruderten nicht zusammen, weil Lau sie als Doppel-Zweier so stark einschätzte, sondern weil sie angeblich zu schwach für den Doppel-Vierer sind. So sehen sie das jedenfalls.

Der Doppel-Zweier war viele Jahre lang die Domäne von Kathrin Boron, der erfolgreichsten Ruderin der Welt. Sie feierte, mit unterschiedlichen Partnerinnen, Sieg um Sieg. Doch in diesem Jahr sind die Zwillingsschwestern Georgina und Caroline Evers-Swindell aus Neuseeland überragend, und Boron ist nicht in Bestform. Also beschloss Jutta Lau, die Starruderin Boron in den Doppel-Vierer zu setzen. Der gilt als Goldkandidat, mit Boron sollte er noch stärker werden, außerdem würde sich die 34-Jährige damit ihren vierten Olympiasieg sichern. 1996 holte sie Gold im Doppelvierer.

Boron und ihre Zweier-Partnerin Meike Evers rückten also in den Vierer. Zwei andere Frauen mussten weichen: Die Berlinerin Britta Oppelt und Peggy Waleska aus Pirna. „Natürlich war ich stocksauer“, sagt Peggy Waleska. Sie hatte den Olympiasieg vor Augen. Und jetzt hatte sie genau dreieinhalb Wochen Zeit, sich mit Britta Oppelt auf den Doppelzweier einzustellen. Die beiden sind mal gemeinsam bei Deutschen Meisterschaften gefahren, aber das ist lange her. Sie fingen wieder am Nullpunkt an.

Dreieinhalb Wochen gemeinsames Training sind eigentlich ein Witz, wenn man sich auf Olympia vorbereitet. Die Ruder-Nationalmannschaft war gemeinsam im Trainingslager, deshalb konnten die beiden sofort mit der Arbeit beginnen, aber es war trotzdem ein kühnes, waghalsiges Unternehmen. „Wir hätten es ohne unsere Trainerin Brigitte Bielig nie geschafft“, sagt Waleska. „Nur dank ihrer Hilfe haben wir diese Silbermedaille.“ Für Jutta Lau freilich war Platz zwei nur Pflichterfüllung. „Es mag überheblich klingen, aber Gold im Einer und Silber im Doppel-Zweier war eingeplant.“

Und fast hätte es sogar noch zu Gold gereicht. Die beiden Neuseeländerinnen zeigten unerwartete Schwächen. Sie haben in dieser Saison jedes ihrer Rennen gewonnen, sie galten vor Athen als unschlagbar, und ausgerechnet im Olympischen Finale rückte ihnen die Verlegenheitslösung Oppelt/Waleska dicht auf. Zum Schluss betrug der Vorsprung der Schwestern nur eine Sekunde. „Dass es so knapp würde, hatte keiner geahnt“, sagt Oppelt. „Aber wenn man auf den ganzen Strecke hundert Prozent gibt, kann man am Ende nicht 120 Prozent geben. Wir sind mit Silber jedenfalls hochzufrieden.“ Ob sie heute morgen auch noch so denken, ist eine andere Sache. Da fährt der Doppel-Vierer sein Finale.

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