Sport : Die Mauer im Kopf

Junge Fahrer tasten sich auf dem Lausitzring erst langsam an die Champ-Car-Serie heran

Hartmut Moheit

Klettwitz. Etwas komisch war Alex Yoong schon zumute, als er den Lausitzring besichtigte. „Hoffentlich fahre ich nicht gleich in die Mauer“, sagte der 26-jährige Rennfahrer aus Malaysia respektvoll. Noch in der vorigen Saison fuhr er in der Formel 1 im Minardi dem Feld regelmäßig hinterher. Der italienische Rennstall entließ ihn daraufhin. Nun, als Neuling in der Champ-Car-Serie, hat Yoong ganz andere Probleme zu lösen. „Ich habe noch nicht einmal auf einem Ovalkurs getestet“, sagt er, verspricht aber: „Ich werde mich langsam herantasten.“

Extra für ihn und die vielen jungen Fahrer, die ebenfalls noch nie auf solch einem Kurs gefahren sind, hat der Veranstalter der „German 500“ ein so genanntes Rookie-Training angesetzt. Die hohen Geschwindigkeiten, die extremen Fliehkräfte und das permanente Windschattenfahren werden am Sonntag (Start: 14 Uhr) zu einer besonderen Herausforderung, wenn im fünften Rennen der Saison 154 Runden zu fahren sind. Zu den wenigen Routiniers, die im Vergleich zu 2001, als die Champ Cars erstmals auf dem Eurospeedway Lausitz fuhren, noch dabei sind, zählt der Kanadier Paul Tracy. Seit 1991 fährt er im amerikanischen Gegenstück zur Formel 1, die nach Aussage von Cart-Geschäftsführer David Clare neben England und Deutschland ein „drittes Rennen in Europa plant“. Drei Siege hat Tracy in dieser Saison bereits erreicht, am vergangenen Montag in Brands Hatch schied er wegen eines Motorschadens aus.

Die vom Zuschauer-Zuspruch her größte Veranstaltung in Berlin-Brandenburg in diesem Jahr bietet dem Publikum mehr als die Formel 1 auf dem Nürburgring oder dem Hockenheimring. Die strengen Vorschriften dort machen es unmöglich, dass die Fans den Mechanikern zusehen können, dass sich die Fahrer vor der Garage ihres jeweiligen Teams zur Autogrammstunde hinsetzen oder dass sich Stars wie Tracy oder Jimmy Vasser aus den USA ohne Bodygards bewegen. Bei Champ-Car-Rennen, ob in den USA, Mexiko, Kanada, Australien oder den bisher zwei Rennen in Europa ist das kein Problem. Das ist Cart-Philosophie, ebenso wie der Umstand, dass nicht auf technische Extremlösungen gesetzt wird, sondern auf Leistungsgleichheit und überschaubare Kosten.

Die Dominanz von Paul Tracy in dieser Saison – in Brands Hatch siegte der Formel-3000-Champion von 2002, Sebastian Bourdais (Frankreich) – ist kein Wiederspruch dazu. Die jungen Fahrer müssen noch sehr viel lernen, bis sie die zur amerikanischen Konkurrenzserie IndyCar abgewanderten Michael Andretti, Dario Franchitti, Gil de Ferran oder Tony Kanaan gleichwertig ersetzen können. Und wer, wie Alex Yoong, aus der Formel 1 als erfolgloser Fahrer in ein Champ Car wechselt, bringt auch keinen Vorteil mit. Da kann schon die Mauer auf einem Ovalkurs zum Problem werden.

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