Sport : Die Nacht der Außenseiter

AS Monaco und der FC Porto spielen heute in Gelsenkirchen im Finale der Champions League

Tilo Wagner[Porto],Christian Tretbar[Paris]

Das erste Wunder dieser Champions-League-Saison gelang dem AS Monaco am 17. September 2003 in Eindhoven. Niemals zuvor war es einem französischen Klub gelungen, auch nur ein Tor beim PSV Eindhoven zu schießen. Monaco erzielte gleich zwei, gewann 2:1 und startete mit voller Euphorie in eine erfolgreiche internationale Saison.

„In den vergangenen Jahren ist uns der Geschmack für die großen Spiele abhanden gekommen, aber das Spiel in Eindhoven war für uns das große Spiel, dort begann unser Abenteuer“, sagt Ludovic Giuly, Kapitän der Monegassen. Dass es nach Eindhoven noch einige große Spiele wie beispielsweise der Erfolg im Viertelfinale gegen Real Madrid mehr würden, hätte im Fürstentum Monaco niemand geglaubt. Schon gar nicht, dass die Spieler von Trainer Didier Deschamps am größten aller Spiele der Champions League, dem Finale, teilnehmen würden.

Der Gegner in Gelsenkirchen heißt FC Porto, die zweite Überraschungsmannschaft dieser Saison. Dabei ist der Klub nicht erst seit diesem Jahr erfolgreich. In etwas mehr als zwei Jahren gewann Porto vier nationale Titel und im vergangenen Jahr den Uefa-Cup. Doch der Trainer, der die Mannschaft zu diesen Erfolgen geführt hat, wird heute zum letzten Mal auf der Bank des portugiesischen Meisters sitzen. José Mourinho zieht es nach England, nach Liverpool oder Chelsea, wo er mehr Geld verdienen kann als in Portugal.

Sportlich wird er wohl kaum das Kunststück wiederholen können, das ihm in Portugal geglückt ist. Aus einer fast namenlosen Mannschaft hat Mourinho ein selbstbewusstes Kollektiv geformt und gleichzeitig Einzelspieler wie Deco oder Maniche, die in anderen portugiesischen Vereinen schon als Fehleinkäufe galten, zu Weltklasseform gebracht. Doch der Erfolg ist Mourinho anscheinend auch zu Kopf gestiegen. Der Trainer gilt in Portugal als arrogant und unbeherrscht. Bei einem Ligaspiel im Februar gegen Sporting Lissabon soll er das Trikot eines Gegenspielers zerschnitten haben. Bei aller Kritik an Mourinhos Charakter steht Portugal im Champions-League-Finale geschlossen hinter dem FC Porto. Das Land erhofft sich von dem möglichen Titel einen positiven Schub für die zuletzt schwächelnde Nationalmannschaft. Sieben der 23 EM-Auswahlspieler stehen in Portos Stammelf. Wie sehr die Erfolge des portugiesischen Meisters selbst den sonst so autoritär wirkenden Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari beeinflussen konnten, zeigte sich in der vergangenen Woche. Scolari, dem ein angespanntes Verhältnis zum FC Porto nachgesagt wird, hatte überraschend Portos überragenden Mittelfeldstrategen Maniche in die Nationalmannschaft berufen, obwohl dieser zuvor wegen Disziplinlosigkeit aus dem Kader verbannt worden war.

In der Arena Auf Schalke werden unter den Zehntausenden Porto-Fans, von denen ein Teil in mehr als 30 Chartermaschinen anreist, voraussichtlich wieder einige Abgeordnete des portugiesischen Parlaments sitzen. Nachdem im vergangenen Jahr unzählige Berufspolitiker geschwänzt hatten und spontan zum Uefa-Cup-Finale nach Sevilla gefahren waren, drohen den fußballbegeisterten Volksvertretern bei unentschuldigter Abwesenheit im Parlament diesmal hohe Disziplinarstrafen.

Der Uefa-Cup-Sieger der vergangenen Saison will seinen Erfolg von 1987 wiederholen. Damals gewannen die Portugiesen in Wien 2:1 gegen den FC Bayern im Endspiel des Europapokals der Landesmeister. Für Monacos Trainer Didier Deschamps ist die Mannschaft mit Spielern wie Torhüter Vitor Baia und Abwehrchef Jorge Costa klarer Favorit. „Aber auch wir haben unsere Chancen“, sagt Deschamps. Der ehemalige Kapitän der französischen Weltmeistermannschaft von 1998 trat vor zwei Jahren keinen leichten Job in Monaco an. Der Klub wurde gerade so 15. der Liga und steckte in schweren finanziellen Problemen. Deschamps formte eine Mannschaft mit eher unbekannten Nachwuchsspielern und schaffte in der vergangenen Saison mit dem zweiten Platz hinter Lyon den Sprung in die Champions League. „Wir wollten eigentlich nur unsere Leistung in der Meisterschaft kompensieren und die Vorrunde der Champions League überstehen, das erschien uns schon ehrgeizig genug“, sagt Mittelfeldspieler Giuly. Nun könnte die Mannschaft, die in einem Landhaus bei Duisburg untergebracht ist, das Abenteuer dieser Saison mit dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte abschließen. Gelsenkirchen ist von Eindhoven nur rund 130 Kilometer entfernt.

Heute im Fernsehen:

AS Monaco - FC Porto,

live auf Premiere und Sat 1.

SPIELBEGINN 20.45 UHR

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