Sport : Die neue Bedrohung

Friedhard Teuffel

Ein deutscher Trainer, ein spanischer Arzt und ein niederländischer Manager – so könnte ein perfekt organisiertes Dopingnetzwerk aussehen. Der deutsche Trainer Thomas Springstein ist schon verurteilt, gegen den spanischen Arzt Miguel Anguel Peraita und den niederländischen Manager Jos Hermens hat der Deutsche Leichtathletik-Verband jetzt Strafanzeige gestellt. Doping kennt schon lange keine Grenzen mehr. Dennoch wirkt dieser neue Fall besonders bedrohlich. Das liegt an den Ausmaßen, die er annehmen könnte.

Der Verdacht gegen Springsteins Lebensgefährtin Grit Breuer und seinen ehemaligen Läufer Nils Schumann kommt keineswegs überraschend, und ein Schuldspruch wäre nur die Fortsetzung einer ohnehin schon langen Liste. Doch sollte auch Hermens etwas nachgewiesen werden, würde sich die Leichtathletik nur schwer davon erholen. Dass Manager in Dopingnetzwerken eine Schlüsselrolle einnehmen – genau wie Trainer – , wird schon länger angenommen. Gut möglich, dass es dafür bald auch eine gerichtliche Bestätigung geben wird. Dann hinge der Generalverdacht auf seinen fast 140 Athleten aus vielen verschiedenen Ländern. Jeder einzelne von ihnen müsste sich rechtfertigen: Hat ihm Hermens irgendwann einmal einen Dopingarzt empfohlen? Oder vielleicht ein paar Pillen zugesteckt? Oder haben sich manche Athleten sogar bewusst ihren Manager ausgesucht, weil sich dessen Fähigkeiten nicht auf die Vermarktung beschränkt, sondern auch auf die medizinische Versorgung erstreckt?

Allein schon der Umstand, dass sich diese Fragen aufdrängen, bedroht die internationale Leichtathletik.

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